NRW-Landesregierung als Klimakiller

03. Mrz. 2018 von Olof E. Matthaei

Deutschland macht's effizient-NRW nicht!Es scheint egal zu sein, welcher Partei sie entspringt. So, wie die vorhergehende SPD/Grüne-Regierung die Braunkohle hofierte macht die jetzige CDU/FDP-Regierung mit Klima-schädlichem Verhalten weiter.

NRW: Vorreiter gegen das Klima

„NRW muss auf Bundesebene Impulsgeber für eine Neuausrichtung der Energieeinsparverordnung werden,“ schreiben die Regierungsfraktionen der CDU und FDP in einem Antrag an den Landtag. Damit meinen sie jedoch nicht, nun endlich konsequent in Sachen Klimaschutz zu werden, den Braunkohletagebau zu beenden und die EU-Gebäude-Direktive umzusetzen, die vorsieht, dass bis 2021 (für Rechenmuffel: Das sind nur noch drei Jahre!) alle neuen Gebäude „Nearly-Zero-Energy-Buildings“ sein müssen.

Wider alle wissenschaftliche Erkenntnis behaupten die Regierungsfraktionen, dass die EnEV ein entscheidender Kostentreiber für den Wohnungsbau sei. Ebenso könnte man behaupten, die Bremse würde Autos unnötig verteuern. Also weg mit den Kostentreibern, damit die Autos billiger werden. „Nur ein toter Kunde ist ein guter Kunde!“ Hauptsache das Auto ist bezahlt? Mal ganz abgesehen davon, dass die Behauptung bereits in sich falsch ist, weil die Kosten durch die Verschärfung der EnEV in 2016 kaum gestiegen sind, ist der Weg, mehr Häuser mit schlechter Energiebilanz zu bauen falsch.

Statt sich gegen ein Gesetz zu wehren, das noch nicht einmal weit genug geht, wenn es um den Klimaschutz geht, sollte die Regierung des dichtest besiedelten Flächenlandes sich eher Gedanken darum machen, wie man es schafft echte Null-Energie-Häuser zu bauen. Statt anzuzweifeln, dass Dämmung bauphysikalisch sinnvoll ist und zu behaupten, dass das Nutzerverhalten die Einsparung zunichte mache, sollte die Landesregierung eher ihre Aufgaben erledigen. Dazu gehört es, die Rahmenbedingungen für ein funktionierendes Klima schonendes Bauen zu schaffen: Wie bekommt man eine Infrastruktur für erneuerbare Energie hin? Wie kann man Quartierslösungen fördern?

Bauphysikalisch bedenkliche Dämmung

Wie in Beiträgen auf dieser Website immer wieder dargelegt wird, ist es notwendig, den Gebäudebestand energetisch zu sanieren. Denn selbst wenn alle neuen Häuser als Null-Energie-Gebäude gebaut werden, bleibt der Bestand mit seinen Emissionen. Immerhin diesen Gedanken greift der Antrag auf und bleibt dabei wiederum zu vage und zu kurz denkend. „Mit einer moderaten und bauphysikalisch unbedenklichen Dämmtechnik“ sollen alte Gebäude ertüchtigt werden. „Ebenso muss die Erneuerung von Heizungsanlagen stärker als bisher vorangetrieben werden. Denn mit der Umstellung auf moderne Brennwerttechnik kann in einem Zug eine Energieeffizienzsteigerung von 25 Prozent erreicht werden,“ heißt es in dem Antrag.

Auch dies ist wieder eher dumm als klug und in sich nicht stimmig. Dämmung ist bauphysikalisch fast immer sinnvoll und hilfreich. Der oft kolportierte Zusammenhang von Schimmel mit Dämmung ist grober Unfug. Richtig ist, dass mangelhafte Lüftung zu Schimmel führt. Dagegen helfen warme (gedämmte) Wände gegen Schimmel.

Die Behauptung mit Brennwerttechnik ließen sich 25% einsparen wird in Gebäuden, die mit Systemtemperaturen von 70° und mehr gefahren werden müssen, ad absurdum geführt. Aber Politiker haben eben wenig Ahnung von Physik und ihre Berater stammen offenbar eher aus der Welt wirtschaftlicher Profiteure als aus der Welt der Wissenschaft.

Die Forderung der Landesregierung ist, die Energieeinsparverordnung 2016 für drei Jahre auszusetzen. Dann ist 2021 vorbei und die Regierung von NRW hätte erfolgreich verhindert, dass Klimaschutz in Deutschland umgesetzt würde. Damit arbeitet sie also Hand in Hand mit der CDU-Bundeskanzlerin und jeglicher Regierung, die sich darum vielleicht einmal bildet.

Schmutziger Deal – klappt aber nicht

Und mit diesem Unsinn noch nicht genug bietet der Chef der Landesregierung Armin Laschet Belgien an, das Nachbarland mit Strom aus Braunkohle zu beliefern, wenn die dafür ihr Atomkraftwerk Tiehange schließen. Das ist schon makaber und erinnert an den Spruch „Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben.“ Aber auch dies ist eine Idee, die schon daran scheitert, dass es gar keine Stromleitungen von NRW nach Belgien gibt.

Auch die Initiative, ein Moratorium der EnEV zu betreiben, würde sicherlich an den anderen Landesregierungen scheitern.

Man gewinnt zunehmend den ungünstigen Eindruck, dass Laschet auf Zeit spielt. Er tut so, als ob er etwas täte. Aber es geschieht nichts.

Der Antrag NRW muss auf Bundesebene Impulsgeber für eine Neuausrichtung der Energieeinsparverordnung werden im Original.

Für Energiesparer und Klimaschützer

Wer sich nicht von Landes- und Bundespolitikern einen Bären aufbinden lässt, sondern Energie-effizient und Kosten-günstig Bauen oder Sanieren will, der ist bei den Energieberatern richtig. Das Ingenieurbüro Matthaei bietet Ihnen jeglichen beratenden und planenden Service rund um Neubau und Bestandssanierung. Auch die weiteren etwa 12.000 geprüften und in Bundesprogrammen zugelassenen Energie-Effizienz-Experten zeigen Ihnen gerne Wege Ihren persönlichen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten und dabei noch zu sparen.

Bildnachweise:
Karrikatur: Deutschland macht’s effizient-NRW nicht! O.Matthaei 2018

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