Abschied von fossilen Energieträgern

07. Jan. 2020 von Karin Müller

Guter SchichtenspeicherEs wäre zu schön! In der Förderung der energetischen Sanierung und des energieeffizienten Neubaus von Wohn- wie Nichtwohngebäuden dürfen keine Heizöl-basierten Kessel mehr verwendet werden. Wie Olof Matthaei schon berichtete (Artikel vom 03.01.2020), hat die Bundesregierung im Rahmen der „Klimapolitik“ diese Änderung an den Förderprogrammen eingeführt.

Fossile Energieträger, adé!

Mehr als ein symbolischer erster Schritt ist das aber wohl nicht. Auch muss man noch weiter analysieren, wie die Regeln aussehen. Die direkte Förderung von Öl- und Gas-Brennwertkesseln ist beendet worden. Im Rahmen der Förderprogramme 151 und 430 (Energieeffizient Sanieren, Kredit- und Zuschussvariante) „werden Wärmeerzeuger auf Basis des Energie­trägers Öl (z. B. Öl-Brennwert­kessel, ölbetriebene Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlage) bei der Sanierung zum KfW-Effizienz­haus nicht mehr gefördert. Die Kosten hierfür können daher bei den förderfähigen Kosten nicht mehr berücksichtigt werden.
Für die energetische Berechnung zum KfW-Effizienzhaus kann ein nicht förderfähiger Wärme­erzeuger weiterhin berücksichtigt werden.“ (Quelle: kfw.de, 7.1.20)

Warum, kann man sich fragen, dürfen die Ölkessel eingebaut werden, um ein Effizienzhaus zu erreichen, werden dann aber nicht gefördert? Immerhin ist das Ziel eines geringen Bedarfs an nicht erneuerbarer Primärenergie doch erreicht. Sollte der Weg nicht egal sein?

Der Staat nimmt hier seine Lenkungsfunktion wahr. Statt zu verbieten, Kesselanlagen auf Basis fossiler Energieträger einzubauen, nimmt man die Kosten aus der Förderung heraus. So bleibt die Wahl dem Bauherrn überlassen. Die individuelle Entscheidungsfreiheit wird hoch gehalten.

Es gibt Situationen, in denen wir als Energieberater den Einsatz von Ölkesseln empfehlen. Selten, aber doch immerhin. In meiner zehnjährigen Karriere als Energieberaterin ist es mir nur einmal untergekommen, dass ich den Neueinbau eines Ölkessels in ein Effizienzhaus 70 empfahl. Alles andere wäre viel zu teuer geworden. Und schließlich ging es nur noch um einen kleinen Rest Wärme, der zu liefern war.

Technologie-offene Lösungen

Die Öl-Lobby kämpft seit Jahren um „Technologie-Offenheit“. Was Sie damit meint ist, dass Öl-Heizkessel, gepaart mit z.B. Solarthermie weiter eingesetzt werden dürfen. Die Heizöler tun sich seit Jahren schwer damit, ihre Anteile am Wärmemarkt zu halten. Kaum jemand möchte freiwillig das stinkende Heizöl im Haus bunkern und wissen, dass er eine Umweltsau ist, wenn er die Abgase dieses fossilen Brennstoffs durch den Kamin jagt. Es geht um moralische Unterstützung für die, die es trotzdem tun – wollen oder müssen.

Karrikatur MesterEs geht für den Klimaschutz allerdings darum, Kohle und Öl komplett aus dem Sortiment der Brennstoffe auszulisten. Insofern ist das Symbol der Regierung ein gutes. Aber wie bei Allem, was die Regierung Merkel anpackt: Es bleibt halbherzig.

Es fehlt weiterhin an der klaren Kommunikation und konsequenten verwaltenden Umsetzung, um die Verwendung der Fossilen endgültig zu beenden.

Immerhin gibt es noch ein weiteres Symbol, das Hoffnung macht. Das BAFA fördert (Geld vom Bundeswirtschaftsministerium) den Austausch von Ölheizungen gegen solche Anlagen, die einen hohen Anteil an Energie aus erneuerbaren Quellen haben. Bei einer Wärmepumpe oder Biomasse-Kessel mit 45% Zuschuss, bei Gas-Brennwertkessel mit 25% solarer Deckung 40% Zuschuss und bei einer Gas-Brennwertkessel-Anlage, die auf die spätere Einbindung von Solarwärme vorbereitet ist, immer noch 20%.

Torsten Safarik, Präsident des für die Austauschprämie zuständigen Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) betont: „Die neue Austauschprämie für Ölheizungen ist ein weiterer Schritt zum Gelingen der Energiewende. Ab dem Januar 2020 können Bürgerinnen und Bürger die Austauschprämie beantragen. Der Umstieg auf eine Heizung mit erneuerbaren Energien wird somit deutlich attraktiver. Für die Antragssteller hat das BAFA ein modernes und schlankes Verfahren entwickelt.“ (Quelle: BAFA.de, 7.1.20)

Information des BAFA zur Förderung finden Sie hier: Heizen mit erneuerbaren Energien.

Bildnachweise:
Schichtenspeicher im Zentrum der neuen Heizung, Foto: IBMatthaei 2016
Fossile Ziegen, erneuerbare Schafe, Karrikatur: Gerhard Mester, Copyright Mester/SFV 2019

Weitere Beiträge zum Thema fossile Energie:
Artikel vom 18.05.2019: Eilmaßnahmen gegen die Klimakatastrophe
Umweltbundesamt: Fossile Energie
Artikel vom 23.05.2017: Abschied von fossilen Brennstoffen

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