Lüftungsinnovationen: Vom Nischenphänomen zum Mainstream

12. Nov. 2018 von Karin Müller

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Kurzdarstellung zu einer Studie des Wuppertal Instituts.

Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnungsfunktion (WRG) zur kontrollierten Wohnraumlüftung (KWL) stellen einen zentralen Baustein zur Erreichung der Klimaziele im Gebäudesektor und zur Verbesserung der Innenraumluftqualität dar. Der Erschließung des Potenzials durch einen breitflächigen Einsatz stehen jedoch eine Vielzahl an Hemmnissen entgegen. Das Forschungsprojekt Lüftungsinnovationen: Vom Nischenphänomen zum Mainstream analysiert bestehende Problemstellungen und zeigt Handlungsoptionen auf, um diese zu adressieren.

Die Erreichung der Klimaziele im Gebäudesektor ist eng mit einer deutlichen Reduktion des Energieverbrauchs von Wohngebäuden verknüpft. Hierfür ist neben einer Steigerung der Energieeffizienz stromverbrauchender Geräte die Minimierung von Wärmeverlusten zentral, wofür eine Erhöhung der Gebäudedichtheit z.B. durch den Austausch von Fenstern oder Dämmmaßnahmen erforderlich ist. Um die Klimaziele zu erreichen und zugleich gesundheitliche sowie bauphysikalische Risiken durch unzureichende Schadstoff- und Feuchteabfuhr in Wohngebäuden zu vermeiden, ist der breitflächige Einsatz von Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnungsfunktion (WRG) zur kontrollierten Wohnraumlüftung (KWL) essenziell. Aktuell ist jedoch nur ein Bruchteil der Wohngebäude mit entsprechenden Anlagen ausgerüstet.

Die Frage, woran eine schnellere Verbreitung effizienter Lüftungsanlagen im Geschosswohnungsbau bisher scheitert und wie diese effektiv befördert werden kann, stand im Zentrum des vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie in Kooperation mit der Verbraucherzentrale Niedersachsen durchgeführten Forschungsprojekts Lüftungsinnovationen: Vom Nischenphänomen zum Mainstream. Die Ergebnisse zeigen, dass eine Vielzahl an Faktoren und Akteuren die Entscheidung von Gebäude- und Wohnungseigentümerinnen für oder gegen eine Investition in eine effiziente Lüftungsanlage beeinflussen. Dabei stellen Informationsdefizite und darauf basierende Vorbehalte und Verhaltensweisen aber auch technische und ökonomische Barrieren zentrale Problemstellungen dar.

Akteure-KWL

Eine Betrachtung der komplexen Wirkungszusammenhänge zeigt, dass die bestehenden Hemmnisse nicht durch eine einzelne Maßnahme überwunden werden können. Vielmehr bedarf es einer vielschichtigen Handlungsstrategie, bei der verschiedene Akteure auf verschiedenen Handlungsebenen aktiv werden und die einzelnen Maßnahmen ineinander greifen. Da nicht alles über den Gesetzgeber gesteuert werden kann, erfordert ein solcher integraler Ansatz auch die Handlungs- und teilweise Kooperationsbereitschaft weiterer Marktakteure im Bereich KWL und darüber hinaus. Das Forschungsprojekt liefert hierbei eine Reihe von anwendungsorientierten, hemmnisbezogenen Handlungsvorschlägen, die sowohl die Adressaten entsprechender Maßnahmen als auch deren mögliche Initiatorinnen benennen.

Konkret regt der Bericht Maßnahmen zur Verbesserung des Informationsstandes von im Gebäudebereich aktiven Gewerken und Dienstleistern an, zeigt die Notwendigkeit technischer Verbesserungen zur Erleichterung der Integration in den Geschosswohnungsbau auf und macht Vorschläge zur Steigerung der ökonomischen Attraktivität einer entsprechenden Gebäudenachrüstung. Zudem weist der Bericht auf die erforderliche Schärfung des Problembewusstseins und Steigerung der Akzeptanz für KWL in der Bevölkerung durch Informations- und Sensibilisierungsmaßnahmen hin und präsentiert Handlungsansätze, wie der Gesetzgeber die Verbreitung durch regulative Maßnahmen unterstützen könnte. Letztlich zeigt der Bericht auf, wie durch eine entsprechende Optimierung verschiedener Prozesse der energetischen Gebäudesanierung eine systematischere Berücksichtigung effizienter Lüftungsanlagen erreicht werden könnte sowie welche Maßnahmen sich zur Reduktion von Problemen in der Nutzungsphase eignen.

Bildnachweise:
Logo des Wuppertal Instituts, entnommen der Pressemitteilung des Wuppertal-Instituts 2018
Akteurskonstellation im Bereich der kontrollierten Wohnraumlüftung, Abbildung aus dem Bericht des Wuppertal-Instituts 2018

Weitere Beiträge zum Thema Lüftungsanlagen:
Artikel vom 21.12.2016: Forschungsprojekt Lüftungsverweigerung
Leistungsangebot: Lüftungskonzept – DIN 1946-6
Fachbeitrag: Kontrollierte Wohnraumlüftung
Artikel vom 10.03.2015: Trockene Luft durch kontrollierte Wohnraumlüftung

Die ganze Studie finden Sie hier: Abschlussbericht Lüftungsinnovationen

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