Solar-Decathlon – ein Erfolg

10. Jul. 2022 von Webmaster

Der Solar Decathlon in Wuppertal hat gezeigt, wie Städte nachhaltig, kreislaufgerecht und sozial verträglich weitergebaut werden können. Über 115.000 Besuchern haben ihn vor Ort miterlebt. Die Veranstalter von der Bergischen Universität Wuppertal ziehen eine positive Bilanz.

ungarischer Beitrag16 Hochschulteams aus zehn Ländern haben beim Solar Decathlon in Wuppertal vom 10. bis zum 26. Juni 2022 gezeigt, wie man klimafreundlich und kostengünstig Baulücken schließt, Gebäude aufstockt oder in die Jahre gekommene Gebäude saniert. Das von der Bergischen Universität Wuppertal als Ausrichter entwickelte Wettbewerbsprofil für das Weiterbauen im Bestand war laut Aussage der Veranstalterin ein großer Erfolg.

Über 115.000 internationale Besucher haben an zwölf Veranstaltungstagen den Solar Campus in Wuppertal besucht. „Die jungen Studierenden mit ihrer positiven Ausstrahlung waren phantastisch. Wuppertal und unsere Universität als Gastgeberin konnten sich von ihrer besten Seite zeigen. Und auch die Sonne hat uns geschienen. Wir sind sehr stolz, mit dem Solar Decathlon konkrete Maßnahmen zur Klimarettung erlebbar gemacht zu haben“, sagt Prof. Lambert T. Koch, Rektor der Bergischen Universität Wuppertal. Auch die Vertreter vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) als Fördergeber zeigten sich begeistert.

Die Integration der Solaranlagen in die Gebäudetechnik und die Architektur zeigte sich auf einem besonders hohen Niveau. Viele Teams setzten auf Anlagen, die solare Wärme- und Stromerzeugung in einem Bauteil verbinden (PVT), oder zeigten innovative Anlagen in Varianten von Technologie, Abmessungen, Formen und Farben. Dabei geht es im Geschosswohnungsbau auch um Systeme an Fassaden, da die Fläche auf dem Dach vielfach nicht reicht.

In der massiven Energieeinsparung und der Solarenergienutzung am Gebäude liegen die Schlüssel zum Verzicht auf Gas und Öl. Nahezu alle Gebäude erreichten in der Wettbewerbszeit eine positive Energiebilanz, erzeugten also meist deutlich mehr Strom als sie benötigten. „In Verbindung mit Batteriespeichern und Automationstechnik nutzten die Teams im Schnitt die Hälfte des erzeugten Solarstroms im Haus selbst. Das ist deutlich mehr als heute üblich“, erklärt der fachliche Leiter des Wettbewerbs, Prof. Karsten Voss, von der Bergischen Universität Wuppertal.
Im Wettbewerb wurde erstmalig auch geprüft, wie flexibel die Gebäude in Verbrauch und Einspeisung auf die Anforderungen des Stromnetzes reagieren. Mit speziellen Testverfahren mussten die Teams trotz sommerlicher Temperaturen vor Ort unter Beweis stellen, dass ihre Gebäude im Winter mit wenig Wärme beheizt werden können.

Ein weiteres wichtiges Thema beim Solar Decathlon war eine Baukonstruktion, die recyclinggerechtes Bauen fördert und damit die Kreislaufwirtschaft im Bauwesen verbessert. Die Wiederverwendung von Materialien oder ganzen Bauteilen und der Einsatz von Recyclingmaterialien waren mit einer eigenen Ästhetik ablesbar. Und: Mit kompakten Grundrissen zeigten die Häuser auf, wie das Wohnen auf weniger privater Fläche attraktiv sein kann und Gemeinschaftsflächen das Raumprogramm ergänzen. Für alle Gebäude stehen die Wettbewerbsergebnisse, umfangreiche Fachinformationen und ein interaktiver 3D-Rundgang auf der Veranstaltungswebseite zur Verfügung. Ab Herbst 2022 können zudem acht Häuser als Teil des Nachfolgeprojekts Living Lab NRW in Wuppertal besichtigt werden.

So weit das Eigenlob aus der Pressemitteilung der Veranstalterin.

Mein eigener Besuch der Ausstellung und die Gespräche mit Studierenden aus verschiedenen Ländern zeigte mir ein ganz anderes Bild. Wenn ich danach fragte, was für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Teams wichtig war, dann war das nicht die Technik. Da ist nicht wirklich neues erfunden worden. Längst wissen alle, wie energieeffizient und Ressourcen sparend gebaut werden kann. Nein, übereinstimmend kamen die Antworten aus dem Feld des Sozialen. Themen waren das Zusammenfinden der Menschen im Team; das Ringen um die jeweils besten Lösungen; zu Lernen, zurück zu stecken, wenn jemand anderes eine bessere Idee hatte; Probleme zu lösen, die z.B. durch schlechte Ausführung der Fundamente entstanden waren. Mir scheint, dass für die Hochschulausbildung von Architekten und Ingenieuren nach wie vor die Entwicklung von „soft skills“ ein Fremdwort ist. Es kommen immer noch überwiegend „asoziale Fachidioten“ aus der Uni.

Die jungen Menschen, die am Solar-Decathlon teilnahmen, haben aber gerade den menschlichen Part als das Entscheidende erlebt. Der Focus auf ein technisches Projekt hat ihnen eine Basis gegeben, um als Gruppe zu funktionieren. Ich denke, das ist, was wir von dieser Veranstaltung lernen können. Die Aufgaben sind technisch: Wohnraum schaffen, Klima retten, Ressourcen erhalten. Und in der Bearbeitung dieser Aufgaben sollen wir soziale Wesen sein. Wir können die Probleme der Welt miteinander lösen. Wenn wir eigenbröteln oder versuchen, unsere Ideen vor der Verwendung durch andere zu schützen, dann schadet das dem Prozess des Lebens.

Bildnachweis:
Das Haus der Mannschaft aus Pécs, Ungarn, Foto: O.Matthaei, 2022

Weitere Information der Veranstalterin:
3-D-Haustouren: https://sde21.eu/de/digital-campus
Living-Lab NRW: https://www.livinglab.nrw/
Preisträger: https://sde21.eu/de/press/final-results

Ingenieurbüro Matthaei
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