Klimaschutz durch Gebäudesanierung

18. Sep. 2019 von Karin Müller

Es ist bekannt, dass Haus vorher die Sanierungsrate in Deutschland nicht einmal die Hälfte dessen erreicht, was notwendig ist. Das hängt zum Teil damit zusammen, dass die Baubranche gerade in anderen Projekten unterwegs ist. Wenn es um die Sanierung von normalen Einfamilienhäusern aber auch größeren Mietobjekten geht, dann ist die Auskunft der Handwerker oft: „Ja, machen wir. Aber erst nächstes Jahr!“ Viel Manpower ist auch in der Sanierung der maroden Infrastruktur gebunden. Ob die Sanierung von Autobahnen und deren Brücken der Energiewende dient, mag jeder selber überlegen.

Ein Grund für die zu geringe Sanierungsrate ist aber auch, dass viele Hausbesitzer nicht recht wissen, wo es losgehen soll. Erst Fenster tauschen oder Dach dämmen? Oder muss vielleicht doch erst die Heizung erneuert werden. Jede Maßnahme kostet Geld. Haushalten ist wichtig. Wo also ansetzen, um das knappe Geld am effizientesten einzusetzen?

Dazu bekamen wir gerade aus der Heizungsbranche folgenden Text des Co-CEOs der Viessmann Group zugespielt: „Klimaziele zu erreichen, ist allein eine Frage der Verantwortung: Wie viel wollen wir heute für die Generationen von morgen tun? Wie erhalten und schaffen wir Lebensräume für unsere Kinder und Enkelkinder? Veraltete Öl- oder Gasheizungen auszutauschen, ist vor allem eines: ein guter Anfang mit sofortiger Wirkung. Es ist eine erste Maßnahme, die sich umgehend positiv auswirkt – für das Klima und die eigenen Energiekosten. Aber es muss mehr folgen. Wenn wir jetzt handeln wollen, dann mit der richtigen Kombination und Balance aus erneuerbaren Energien und maximaler Effizienz bei fossilen Energien, die für alle praktikabel sind. Deshalb ist die kategorische Ablehnung einzelner Energieträger schlichtweg falsch. Im Unterschied zu anderen Sektoren stehen uns bei der Gebäudesanierung bereits heute großflächig innovative, CO2-sparsame Lösungen zur Verfügung, darunter Brennstoffzellen, Wärmepumpen und Effizienz-Heizungen mit moderner Brennwerttechnik und Wirkungsgraden von über 100 Prozent. Klimaschutz ist also keine Frage der technologischen Möglichkeiten, sondern eine des Willens. Was hält uns auf? Lassen Sie uns die anstehenden Aufgaben zusammen angehen. Lassen Sie uns gemeinsam Verantwortung für die Generationen von morgen übernehmen. Es gibt viel zu tun! Und zwar jetzt.“

Es ist dies eine Aussage, die nicht den kleinsten Gedanken an die Gebäudehülle verwendet. Warum auch? Hat der Hausbesitzer sein Geld für die Sanierung von Fenstern und Fassade ausgegeben, dann kommt er in den nächsten Jahren nicht zum Heizungsinstallateur. Die Aussage ist genauso erwartbar, wie die Aussage des Dachdeckers, dass die Dachdämmung das Erste und Wichtigste sein muss.

Alle Aussagen müssen jedoch kritisch hinterfragt werden. Und solche, die von der eigenen Wirtschaftlichkeit motiviert sind, sind schnell als Tendenzaussagen zu entlarven. Unter dem Deckmantel des Klimaschutzes pirschen sie sich an die Kunden heran und suggerieren ihnen Handlungsbedarf in einem ganz bestimmten Feld. Die Aussagen sind in sich schlüssig und sie sind von einer altruistisch anmutenden Überzeugungskraft. Aber sie funktionieren wie so oft durch das Ausblenden großer wichtiger Themen.

Wer nur über die Heizanlage mit all ihren Facetten von erneuerbaren Quellen, Klimawirksamkeit, Effizienz etc. redet, der redet ganz bewusst nicht von der Gebäudehülle mit all ihren Facetten und der redet auch nicht von der Nutzung. Alle Aspekte gehören jedoch zusammen.
Energiefluss-Schema
Die Grafik gibt einen (gekürzten) Überblick über die Energieflüsse, die der Energieberater mit seinem integralen Blick bei der Analyse eines Hauses berücksichtigt.

Die Nutzung steht im Zentrum und es macht einen Unterschied, ob das Haus mit 20 oder mit 22 Grad bewohnt wird, ob sich auf 60 m² 4 Menschen tummeln oder auf 300 m² sich zwei aus dem Weg gehen.

Die Hülle definiert in ihrer Dichtheit gegen den Abfluss von Wärme und Luft, den Heizwärmebedarf des Gebäudes. Die Anlagentechnik muss den Wärmebedarf decken. Natürlich hat sie eine Effizienz. Und natürlich macht es einen Unterschied, welche Energieträger eingesetzt werden.

Lassen Sie sich von Tendenzaussagen, egal aus welcher Ecke sie kommen, nicht einfangen. Denken Sie selbst nach und informieren Sie sich unabhängig. Z.B. bei dem Energieberater Ihres Vertrauens. Das Ingenieurbüro Matthaei arbeitet, wie die meisten Energieberater mit BAFA-Zulassung, unabhängig von Herstellern. Das gibt Ihnen Information, die tatsächlich auf die individuellen Belange des Hauses und dessen Besitzer zugeschnitten sind.

Bildnachweise:
Sämtliche Fotos und die Grafik entstammen dem Archiv eigener Werke des Ingenieurbüros Matthaei

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