Morgenfeuchte an Fenstern und Wänden

Nur Vorsorge hilft gegen langfristige Schäden

RaureifWenn es regnet wird es nass. Doch: Nach Regen kommt Sonnenschein. Wenn es aufhört zu regnen, trocknet es meist recht schnell wieder. Die Feuchte aber, die viele Dinge sehr viel mehr belastet, ist der Morgentau.

Morgenfeuchte = Tau

Tau entsteht, wenn die Temperatur an einer Oberfläche kleiner ist als die Temperatur, bei der die relative Luftfeuchte der Umgebungsluft auf 100% klettert. Daher heißt diese Temperatur auch Tautemperatur oder Taupunkt. Sie ist abhängig vom absoluten Wassergehalt der Luft, der Luftzusammensetzung und dem Luftdruck (also der geodätischen Höhe). Sie kennen das Phänomen z.B. von Autos, die auf der Straße geparkt sind. Morgens sind oft einige Flächen nass. Der Tau steht in kleinen Perlen auf dem Lack und den Scheiben.
Morgentau auf Auto
Das Gleiche passiert auch auf Fensterscheiben, Hausdächern aber auch an Wänden. Auffallen tut es meist nur auf glatten Flächen wie eben Glasscheiben. Auf Putzfassaden fällt es nicht auf, führt aber langfristig zu Schäden wie Algen- oder Pilzbefall oder Frostabplatzungen, wenn die Feuchte eindringt und dann gefriert.

Warum aber ist die Temperatur auf der Fläche geringer?

Wäre die Temperatur der Fläche gleich groß wie die der ungebenden Luft, dann könnte sich kein Tau bilden. Durch Abstrahlung kann eine Oberfläche jedoch mehr Wärme abgeben als auf anderen Wegen nachkommt. Jede Fläche gibt entsprechend ihrer Materialeigenschaften (Emissionsgrad ε) und ihrer absoluten Temperatur (Kelvin) elektromagnetische Strahlung (Energie = Wärme) ab und empfängt von der Umgebung ebensolche Strahlung, die in mit einem Thermometer messbare Temperatur (sensible Wärme) umgewandelt wird.

Alle Vorgänge in der Natur streben zum Ausgleich. Irgendwann stellt sich ein Gleichgewicht zwischen Abstrahlung und Einstrahlung sowie konvektiver Wärmeaufnahme und -abgabe ein. Das Gleichgewicht ist durch eine Temperatur des betrachteten Körpers, bzw. dessen Oberflächen, bezeichnet.

Stehen sich zwei Flächen parallel gegenüber, dann werfen die sich die Wärmestrahlung – wie Pingpong-Bälle – hin und her. Das wäre z.B. der Fall, wenn eine Autoseite vor einer Wand steht oder wenn vor einem Fenster ein belaubter Baum wächst. Auf diesen Flächen wird soviel Wärme aufgenommen, dass die Oberflächentemperatur über dem Taupunkt bleibt. Wolken strahlen mit ihrer je eigenen Temperatur, die meist recht hoch liegt.

Ist die Fläche jedoch gegen den klaren Himmel gerichtet (Luft ist für die elektromagnetische Strahlung fast völlig durchlässig), dann strahlt dieser selbst im Sommer wie eine Fläche mit -40°C. Es kommt also wenig Wärme vom Nachthimmel zurück, die Temperatur der abstrahlenden Oberfläche sinkt, es bildet sich Tau oder gar Reif.

Da die Taufeuchte lange auf den Oberflächen bleibt, wirkt sie deutlich stärker als ein wdvs-schadenbildhalbstündiger Regenguss, der abläuft und nach einer Stunde vergessen ist. Morgentau (eigentlich Nachttau, da er schon vor Mitternacht eintreffen kann, dann aber bis lange in den Tag hinein bleibt) steht über viele Stunden auf den Flächen und führt zu Entfärbung (typisches Bild an roten Fassaden oder Lackflächen) oder zu Algen-, Moos- und Pilzbefall und damit zum bekannten fleckigen Aussehen von hell gestrichenen Fassaden. Insbesondere mit dünnem, hydrophob eingestelltem Kunstharzputz versehene Wärmedämmverbundsysteme neigen sehr schnell zu unschönem Aussehen.

Was kann man gegen Morgenfeuchte tun?

Während es auf Wärmeschutzfenstern zwar lästig, aber nicht schädlich ist, wenn morgens Tau den Ausblick behindert, sind die oben beschriebenen Folgen auf einigen anderen Flächen schon bedenklich. Die Faustformel zur Vermeidung heißt: Flächenmasse > 15 kg/m².
Eine höhere Masse stellt einen Wärmespeicher dar, der sich tagsüber auflädt und nachts die Oberfläche ausreichend warm hält.

Bei einer Dämmfassade zählt dabei allein die Masse über der Dämmung, also der Putz. Bei einer Dichte von 1.800 kg/m³ für Zementputz erforderte es also etwa 9 mm Putzdicke, während die typischen 3-5 mm Kunstharzputz (ρ = 1.100 kg/m³) zu lediglich 3,5 – 5 kg/m² Flächenmasse führen. Eine hydrophile Einstellung der Oberfläche könnte weiter zu einer Verbesserung beitragen, indem die Morgenfeuchte nicht in kleinen, schlecht abdunstenden Perlen auf der Fläche stehen bleibt, sondern vom Material eingesaugt und verteilt wird und dann gleichmäßig über die ganze Fläche abdunsten kann.

Überlassen Sie die Planung und Überwachung von Dämmmaßnahmen dem Fachmann. Architekten und Energieberater helfen Ihnen, die richtigen Handwerker zu finden und die richtigen Aufträge zu vergeben und sichern so den Erfolg Ihres persönlichen Klimaschutzes ab. Daneben sind Energieberater unabdingbar bei der Beantragung von KfW-Fördermitteln für Ihre Maßnahmen.

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