Wärmebrücken mit dem Infrarot-Thermometer finden

10. Nov. 2016 von Gast

Temperaturmessung-in der Kante

Wärmebrücken finden

Wärmebrücken, oft auch als Kältebrücken bezeichnet, finden sich insbesondere in älteren Häusern. Doch was sind Wärmebrücken überhaupt? An besagten Stellen geht überdurchschnittlich viel Wärme nach außen verloren. Das können zum Beispiel Fensterfugen sein, aber auch wenn verschiedene Baumaterialien innerhalb einer Wand aufeinandertreffen, kann es zum Wärmeaustritt kommen.

Vor allem als Laie ist es meist nicht möglich, diese Stellen mit bloßem Auge zu identifizieren. Dennoch gibt es heutzutage auch für den Anfänger eine Möglichkeit, Wärmebrücken einigermaßen treffsicher aufzuspüren. Gerade im Angesicht steigender Energiepreise kann sich das durchaus auch finanziell bemerkbar machen. Umso mehr Wärme verloren geht, umso mehr muss geheizt werden, wenn die Räumlichkeiten auch im Winter angenehm temperiert sein sollen.

Doch nicht nur das, sogar die Bausubstanz kann durch Wärmebrücken langfristig Schaden erleiden. An kalten Stellen kondensiert die Luftfeuchtigkeit und Schimmelbildung wird begünstigt. Daher ist es mehr als empfehlenswert, Wärmebrücken im eigenen Haus frühzeitig zu identifizieren. Mit einem Infrarot-Thermometer messen Sie ganz bequem die Oberflächentemperatur von Wänden, Fenstern und Decken innerhalb Ihrer Räume. Im Anschluss daran kann der potentielle Wärmefluss nach außen aus diesen Daten abgeleitet werden.

Was ist ein Infrarot-Thermometer?

Ein Infrarot-Thermometer besteht aus einem meist pistolenähnlich geformten Griff, einem LED-Display zur Anzeige der Temperatur und einem Strahlenmesser. Das sogenannte Strahlungsthermometer ist in der Lage, abgegebene Infrarot-Strahlung aufzunehmen und auszuwerten. Doch wie genau soll das Gerät beim Aufspüren von Wärmebrücken dienen?

Infrarot-Thermometer
Dazu muss man wissen, dass jeder Gegenstand über 0 Kelvin Wärmestrahlung emittiert. Diese Strahlung nimmt in ihrer Intensität zu, sobald die Temperatur ansteigt. Ein Infrarot-Thermometer ist in der Lage, diese Unterschiede zu messen und daraus die Temperatur der Oberfläche eines Gegenstandes näherungsweise zu bestimmen. Die folgende Infografik verdeutlicht skizzenhaft die Funktionsweise des Gerätes.

 

So spüren Sie Wärmebrücken treffsicher auf

Man unterscheidet im Allgemeinen drei Arten von Wärmebrücken, auf die wir im folgenden Abschnitt näher eingehen werden. Es finden sich:

Konstruktive Wärmebrücken: Hier schwankt die Wärmeleitfähigkeit innerhalb eines Bauteils auf Grund seiner Konstruktion. Beispielsweise wird eine Mauer und deren Dämmung in einem Bereich von einem anderen Bauteil durchdrungen. Hier tritt in Folge dessen eventuell mehr Wärme aus, als im Rest der Wand. Besonders häufig finden sich konstruktive Wärmebrücken an Balkonen, Gebäudesockeln, auskragenden Stahlträgern und ungedämmten Stahlbetonbauteilen. Ein gutes Beispiel sind Stahlbetonstützen, welche ins Mauerwerk eingefasst werden. An diesen Stellen zeigt sich schnell ein erhöhter Wärmeverlust, welchen Profis durch sogenannte Thermografie (also die Darstellung mit einer Wärmebildkamera) sichtbar machen.

Schimmel-an-Aussenkante-140114Geometrische Wärmebrücken: Hier liegt eine große Außenfläche einer vergleichsweise kleinen Innenfläche gegenüber. Ein ganz klassisches Beispiel sind Raumecken. Dort laufen drei linienförmig gebildete Wärmebrücken zusammen. Schon die Oberfläche an zweidimensionalen Kanten ist durchschnittlich kälter als die normale Wandoberfläche. In Ecken fällt die Temperaturdifferenz meist noch höher aus. Das ist auch einer der Gründe, warum sich Schimmelpilze an diesen Stellen besonders häufig finden.

Stofflich bedingte Wärmebrücken: Hier variiert die Wärmeleitfähigkeit innerhalb einer Wand oder eines anderen Bauteils auf Grund unterschiedlicher Baumaterialien. Es könnte zum Beispiel ein Übergang von Ziegelmauerwerk auf einen Stahlträger vorliegen. Insbesondere Metall leitet die Wärme allgemein sehr gut. Aus diesem Grund zeigen sich während der Aufnahme mit einer Wärmebildkamera an diesen Stellen oft starke Unterschiede in der Oberflächentemperatur.

Wie geht man nun konkret mit dem Infrarot-Thermometer vor?

Will man die Wärmebrücken in einem Raum schnell auffinden, sollte man sich vor allem auf die Stellen konzentrieren, welche prädestiniert für den Energieverlust sind.
Dazu zählen:

  • Fensterrahmen und Türlaibung
  • Raumecken
  • Rollladenkästen
  • Heizkörpernischen

Im ersten Schritt messen Sie die Temperatur direkt neben der ausgewählten Stelle. Im Anschluss fahren Sie über die potentielle Wärmebrücke. Ein Unterschied von ein bis zwei Grad Celsius ist durchaus normal. Sollten Sie jedoch auf Differenzen von fünf oder mehr Grad stoßen, geht hier womöglich zu viel Wärme verloren. Notieren Sie sich zu guter Letzt jede auffällige Stelle und schreiben Sie sich die gemessene Oberflächentemperatur auf.

Dabei ist selbstverständlich die vorherrschende Außen- und Innentemperatur zu beachten! Führen Sie beispielsweise an verschiedenen Zeitpunkten Messungen durch, sind die gewonnenen Daten nicht immer miteinander vergleichbar. Ein Beispiel: Sie messen an zwei unterschiedlichen Tagen. Konsistente Resultate erhalten Sie nur, wenn an Tag 2 sowohl in den Räumlichkeiten als auch Außen die gleichen Temperaturen wie an Tag 1 herrschen. Ist das nicht der Fall, werden Ihre Messergebnisse verzerrt.

Per Wärmestromsimulation wird im Anschluss unter Einbezug mehrerer Variablen berechnet, ob es sich bei einer bestimmten Stelle um eine Wärmebrücke handelt oder nicht. Die Vorgehensweise der Berechnung unterscheidet sich dabei für verschiedene Bereiche der Gebäudehülle voneinander.
Allgemein gilt übrigens, dass die Innenoberflächentemperatur über 12,6°C liegen sollte. Liegt sie darunter, besteht ein erhöhtes Risiko von Tauwasserbildung. In Folge dessen kann leicht Schimmel entstehen.

Energieberater konsultieren

Möchten Sie gefundenen Wärmebrücken beseitigen, sollten Sie für eine bessere Isolierung und Dämmung in Ihrem Haus sorgen. Wenn Sie nicht wissen, wie man die Stellen selbst dämmt, raten wir Ihnen zum Fachmann. Nehmen Sie am besten Kontakt mit einem Energieberater auf. (Suche z.B. über energie-effizienz-experten.de)

Der Fachmann kann Sie gegebenenfalls schon beim Aufspüren der Wärmebrücken unterstützen. Weiterhin erstellt ein Energieberater auf Wunsch eine Kalkulation zu möglichen Dämmkosten und Einsparpotenzialen. Ihre Notizen können dem Spezialisten erste wichtige Anhaltspunkte liefern, um eine grobe Schätzung abzugeben.

Doch Vorsicht, auch in dieser Branche gibt es schwarze Schafe. Wenn Sie sich nicht besonders gut auskennen, ist es ratsam, gleich mehrere Berater zu konsultieren. So können Sie schnell abgleichen, wer Ihnen entgegenkommt und sich wirklich mit Ihrem Fall auseinandersetzt. Sollten Sie das Gefühl haben, man wolle Ihnen schnellstmöglich etwas verkaufen, lassen Sie besser die Finger davon. Ein guter und kompetenter Berater sollte stattdessen stets zu einem unverbindlichen Erstgespräch bereit sein.

Autor:
Louis Frenken, Wohnhaft in Würzburg
Masterstudent der BWL an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Inhaber des Informationsportals Frostfrei.net
Kontaktmöglichkeit unter info@frostfrei.net

Bildnachweise:
Infrarot-Thermometer im Einsatz, Foto: Archivbild Ingenieurbüro Matthaei
Infrarot-Thermometer, Grafik: L. Frenken 2016
Schimmel in Aussenecke, Foto: Archivbild Ingenieurbüro Matthaei

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Artikel vom 06.05.2015: Einfache Maßnahmen verhindern Wärmebrücken
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Artikel vom 17.10.2007 von Andreas Kühl auf energynet.de: Wärmebrücken und Tragwerksplanung – die Grenzen des wärmebrückenfreien Konstruierens

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