Vorteile der Hohlraumdämmung

30. Jan. 2014 von Karin Müller

Wenn in Bauteilen Hohlräume sind, dann sollten diese vorrangig gedämmt werden. Warum? Wir zeigen Ihnen hier zwei Beispiele.
WandzwischenraumDas erste Beispiel ist ein zweischaliges Mauerwerk. im Bild rechts ist ein Blick mit dem Endoskop in den Zwischenraum der Außenmauer eines Mehrfamilienhauses von ca. 1930 zu sehen. Der Aufbau mit zwei Vollziegel-Schalen von je 12 cm Dicke und einem Zwischenraum von ca. 8 cm führt zu einem U-Wert, der je nach Belüftung des Hohlraums mit U=1,5 W/m²K (unbelüftet) bis zu 2,3 W/m²K (von außen hinterlüftet) zu bewerten ist. In keinem Fall ist der Mindestwärmeschutz gegeben, was zu Kondensation und Schimmel auf den Flächen führen kann.

Zweischaliges Mauerwerk wurde seit dem 19. Jahrhundert in Deutschland oft gebaut. Ursprünglich gedacht als Sicherheit gegen von außen eindringende Nässe, wurde später oft behauptet, dass die Luftschicht eine Wärme dämmende Wirkung habe. Das stimmt nur ein wenig. Eine ruhenden Luftschicht senkt den U-Wert von ca. 2 W/m²K für eine Vollziegelwand auf ca. 1,5 W/m²K. Wenn die Luftschickt, wie oft ausgeführt, belüftet ist, dann hat die äußere Schale kaum noch Dämmwirkung und der U-Wert steigt sogar auf bis zu 2,3 W/m²K. Während auf der Fläche nur wenige Drahtanker die Schalen miteinander verbinden, sind in Kanten, um Fenster und Türen herum und im Bereich der Decken die Wände massiv miteinander verbunden. Dies ist aus Stabilitätsgründen unverzichtbar. Der Luftspalt hat auch noch eine andere Wirkung. Selbst wenn die Luft abgeschlossen von der Außenluft ist, gibt es Konvektionsströmungen im Zwischenraum. An der Innenschale erwärmt sie sich und steigt auf, an der Außenschale kühlt sie sich ab und sinkt zur nächsten Sperre. Dabei bildet sich ein Kältesee über der Geschossdecke.

Viele ausführende Unternehmen und auch viele Energieberater empfehlen nun eine Außendämmung. Dies ist die scheinbar einfachste Lösung. Sie hat den Vorteil, dass Kanten und Decken vollflächig überdämmt sind und die Dämmung fast beliebig dick aufgetragen werden kann. So können U-Werte unter 0,20 W/m²K gut erreicht werden. Die Nachteile sind, dass oftmals Dachüberstände verbreitert werden müssen, das Anarbeiten an Fenster und Türen in Laibungen sehr aufwändig ist und dass man in Grenzkonflikt mit dem Nachbarn geraten kann. Zu beachten ist auch, dass die Hohlräume nicht gedämmte mit ungedämmten Bereichen verbinden dürfen, sonst ist die Außendämmung fast wertlos. Ausserdem ist die Außendämmung mit einem Wärmedämmverbundsystem (WDVS) ebenso wie mit anderen Systemen (z.B. Mineralfaserdämmung und vorgehängte Fassade) mit 100 – 150 €/m² recht kostenintensiv.

Hohlraumdaemmung-KanteDabei kann mit deutlich geringerem Aufwand der Wärmeverlust auf ein Viertel begrenzt werden. Der Zwischenraum wird mit einer Hohlraumdämmung komplett gefüllt. Dazu muss das Montageunternehmen alle paar Meter ein Loch in die Wand bohren und mit einem Schlauch unter Druck den Dämmstoff einblasen. Dies ist ebenso wenig eine Heimwerkeraufgabe wie das WDVS. Es braucht Ausbildung und Erfahrung um den Zwischenraum lückenlos verfüllen zu können. Mit Thermografieaufnahmen kann anschließend die Fläche begutachtet werden. Der U-Wert sinkt im obigen Beispiel auf U=0,36 W/m²K für die ungestörte Fläche. Es bleiben natürlich die Schwachpunkte an den durchgemauerten Stellen.

Das Thermogramm aus der Simulation zeigt in der Kante eine Temperatur von 11,7°C. Vor der Dämmung waren es 8,6°C. Also selbst an der ungünstigsten Stelle gibt es eine Verbesserung. (Für insider: Die Wärmebrücke hat einen Psi-Wert von Ψ = 0,23 W/mK, der fRSI = 0,72) Die Kosten liegen mit 20-30 €/m² bei einem Bruchteil jener für die Außendämmung.

Als zweites Beispiel möchten wir Ihnen eine oberste Geschossdecke vorstellen. Der Aufbau ist als Holzbalkendecke mit Verbindung zur Dachkonstruktion gegeben. Oben drauf ist ein Dielenboden, von unten eine Putzträgerplatte aus alter Heraklith-Platte mit Kalkputz. Zunächst gibt es keine Erkenntnisse über Schüttungen im Hohlraum. Was aber bemerkbar ist, das ist Luftzug aus den Löchern durch die Kabel zu Deckenlampen führen.

Wenn eine Dämmung auf dieser obersten Geschossdecke erfolgt, dann hat diese nur begrenzte Wirksamkeit. durch das Dach eindringende Außenluft durchströmt auch die Decke und nimmt die Wärme mit. Daher ist es empfehlenswert, die Decke von oben zu öffnen und zunächst den Aufbau genau zu erkunden. Ob das vorgefundene Füllmaterial (Schlacke, Lehm, Dreck, alte Dämmstoffe) zu gebrauchen ist und verbleiben kann oder ob es zu entfernen ist, muss überlegt werden. Zu beachten ist hierbei auch der Schallschutz!

Wenn hier die Hälfte zwischen den 16 cm hohen Deckenbalken eine massive Füllung ist, die nur mit großem Aufwand entfernt werden könnte, dann lassen wir sie drin. Es bleiben 8 cm Hohlraum, die z.B. mit Zelluloseflocken gefüllt werden können. Diesmal lassen wir sogar den Heimwerker an die Hohlraumdämmung dran, zumal es sowieso keine Fördermittel dafür gibt. Darauf kommt eine diffusionsoffene Folie oder auch nur ein Windpapier. Oben drauf legen wir wieder die Dielen. Das Resultat ist eine Verbesserung des U-Werts von U=1,17 W/m²K auf 0,37 W/m²K. Also wiederum vermindert sich der Wärmeverlust durch das Bauteil um ungefähr 68 %.

Fazit: Die Hohlraumdämmung ist in vielen Fällen sinnvoll. Die Kosten liegen sehr weit unten, der Nutzen sehr weit oben. Fragen Sie einen Energieberater oder Handwerker Ihres Vertrauens.


Bildnachweise:
„Wandzwischenraum“, Foto: Ingenieurbüro Matthaei 2014
Thermogramm „Hohlraumdaemmung-Kante“, Grafik: Ingenieurbüro Matthaei 2014

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