Verschärfung der Energieeinsparverordnung tritt 2016 in Kraft

08. Nov. 2015 von Olof E. Matthaei

Wie geplant werden die verschärften Anforderungen der EnEV in Ihrer Fassung aus 2013 zum 1. Januar 2016 in Kraft treten.

Energiewende_BMWi_PersiflageDie EnEV sieht vor, dass für Neubauvorhaben ab dem 1. Januar 2016 der berechnete Primärenergiebedarf eines Gebäudes (Wohngebäude und Nichtwohngebäude) maximal 75% des für das Referenzgebäude berechneten Primärenergiebedarfs betragen darf. Die Anforderungen an die Gebäudehülle wurden insofern weiter verschärft, als dass der auf die wärmeübertragende Umfassungsfläche bezogene Transmissionswärmeverlust eines zu errichtenden Gebäudes das 1,0fache des entsprechenden Wertes des jeweiligen Referenzgebäudes nicht überschreiten darf. Bislang war das Referenzgebäude hinsichtlich der Gebäudehülle lediglich eine Orientierungsgröße, jetzt das Maß der Dinge.

Es gab seitens einiger Bundesländer die Forderung, die EnEV- Verschärfung einige Jahre auszusetzen. Damit kamen Politiker wohl dem Druck der Lobbyisten aus der Baubranche nach, die behauptete, dass durch die EnEV die Baukosten steigen würden. Diese Behauptung ist durch nichts untermauert und die Gesamtheit der Bauminister der 16 Bundesländer hat nun entschieden, die Verordnung so in Kraft zu setzen, wie sie von der Bundesregierung im Oktober 2013 beschlossen wurde. Für die Eigentümer und Bewohner von Bestandsgebäuden ändert sich nichts.

Primärenergiefaktoren

Bezeichnen, den Anteil nicht erneuerbarer Energie, der insgesamt aufgewendet werden muss, um am Übergabepunkt die Endenergie bereit zu stellen.

Ausgewählte PE-Faktoren:
Heizöl1,1
Erdgas1,1
Fernwärme, aus KWK, fossil1,3
Fernwärme, aus KWK, erneuerb. Brennstoff0,0
Holz, Holzpellets0,2
Strom, bisher2,4
Strom, ab 20161,8
Solarwärme, Umweltwärme0,0

Neben der Absenkung des erlaubten Primärenergiebedarfs der Neubauten ändert sich auch der Primärenergiefaktor für elektrischen Strom. Der Primärenergiefaktor ist eine Rechengröße, mit der der weltweit zu betreibende Aufwand dargestellt wird, der für die Bereitstellung von Energie am Verbrauchspunkt erforderlich ist.

Wie der Auflistung im nebenstehenden Kasten zu entnehmen ist, sinkt in 2016 der PE-Faktor für Strom von 2,4 auf 1,8. Damit wird Strom ein ernst zu nehmender Konkurrent als Energielieferant für die Heizung und Warmwassererzeugung. Dass der neue Wert ein politisch gewollter und sicherlich auch durch erfolgreiche Lobbyarbeit herbeigeführt ist, soll hier gar nicht erst diskutiert werden.

Primärenergiefaktor für Strom sinkt

Mit dem PE-Faktor von 1,8 ist elektrischer Strom jedoch noch nicht für die Direktheizung verwertbar. Zwar ist die Umwandlung von Strom in Wärme im Haus nahezu verlustfrei darstellbar (Aufwandszahl e = 1,0), dennoch kann er dem Brennwertkessel mit einer Aufwandszahl von e=0,95 nicht nahe kommen. Wesentlich für die Bewertung des Gebäudes ist letztlich das Produkt aus Erzeugeraufwandszahl, Systemeffizienz und Primärenergiefaktor. Für vergleichbare Gebäude und neue Anlagen kommt dabei eine Primärenergie-bezogene Aufwandszahl für das Gas-beheizte Gebäude von ep = 1,35 und für das elektrisch direkt beheizte Gebäude von ep = 2,13 heraus.

Wärmepumpen senken den Primärenergieaufwand

Zunehmend interessant werden daher in den nächsten Jahren die Wärmepumpen mit elektrischem Antrieb. Sowohl als Luftwärmepumpen wie auch als Erdwärmepumpen gewinnen diese Maschinen einen Großteil der nachher abgegebenen Wärme aus der Umwelt. Lediglich ein Anteil von 1/3 bis hinunter zu weniger als 1/4 stammt aus der elektrischen Antriebsenergie. Anders ausgedrückt: Für die Wärmepumpen liegt die Erzeugeraufwandszahl bei 0,23 bis 0,33. Die im vorhergehenden Abschnitt für Gas und elektrisch direkt beheizte Gebäude vorgestellten typischen Primärenergie-bezogenen Aufwandszahlen von 1,35 und 2,13 werden nun von der Luftwärmepumpe mit ep = 0,52 deutlich unterboten.

Vergleicht man ein in 2015 nach der EnEV 2014 zu bauendes, mit Wärmepumpe ausgestattetes Haus mit einem ab 2016 zu bauenden Haus, dann ergibt sich kein Unterschied. Die Absenkung des Primärenergiefaktors von Strom macht genau die 25% der Verschärfung der EnEV aus. Die EnEV-Verschärfung für das kommende Jahr ist also gar keine eigentliche Verschärfung, sondern eine Diskriminierung der anderen Energieträger gegenüber dem elektrischen Strom. Das wäre dann gerechtfertigt, wenn tatsächlich mehr Strom aus erneuerbaren Quellen in’s Netz gelangte. Tut es aber kaum, weil nach wie vor von den Transportnetzbetreibern und der Politik versäumt wird, diesen Strom dauerhaft verfügbar zu machen.

Elektrischer Strom aus erneuerbaren Quellen nicht ausreichend

Zwar ist die installierte Leistung der Windenergieanlagen und der Fotovoltaikanlagen inzwischen so groß, wie die der anderen stromerzeugenden Anlagen mit fossilen und Kernbrennstoffen, aber durch die fluktuierende Einspeisung, gibt es mal Überschuss, mal Defizit. In nennenswertem Maße Speicher installiert haben bislang lediglich private Haushalte, die sich damit unabhängiger machen wollen. Längst zur Verfügung stehende Technologie wie Power-to-Gas (Methanerzeugung aus überschüssigem Strom mit Einspeisung in das Erdgasnetz) wird kaum forciert, während riesige Stromtrassen unter dem Deckmantel der Erforderlichkeit für den Transport von Strom aus in Norddeutschland stationierten WEA nach Süddeutschland und Rücktransport von PV-Strom aus Süddeutschland gebaut werden. Kritiker weisen dabei jedoch immer wieder darauf hin, dass diese Leitungen praktisch nur für den Transport von Braunkohlestrom sinnvoll seien.

Ob die Entscheidung der Landesbauminister, die Vorgabe der Bundesregierung zu übernehmen und die sogenannte Verschärfung der EnEV nun laufen zu lassen, sinnvoll ist, darf angezweifelt werden. Danach handeln werden wir dennoch. Machen wir das Beste daraus und wenden uns von Öl und Gas ab, den erneuerbaren Energiequellen zu: Erdwärme, Luftwärme, Solarstrahlung aber auch Holz, Abwärme aus Industrieanlagen, Wärmerückgewinnung in Lüftungsanlagen und aus Abwässern. Es gibt viele Möglichkeiten, wenn man nach Lösungen für die Energiewende im Wärmebereich sucht.


Bildnachweise:
Energiewende_BMWi_Persiflage, Quelle: SFV.de 2014

Frühere Beiträge zu diesem Themenkomplex:
Artikel vom 22.11.2013: EnEV-Änderungsverordnung tritt am 1. Mai 2014 in Kraft
Artikel vom 24.03.2014: Energieeinsparverordnung (EnEV 2014) und Energieausweise
Artikel vom 10.11.2014: Stromspeicher statt Stromtrassen
Artikel vom 12.8.2014: Energiewende? – gestrichen!

Do NOT follow this link or you will be banned from the site!
Menü