Strompreisentwicklung: Großhandel vs. Verbraucher

20. Jun. 2014 von Webmaster

Mit der Reaktor-Katastrophe in Fukushima wurde für die deutschen Verbraucher eine Wende eingeläutet, die Abkehr vom Atomstrom ließ ein Ansteigen des Strompreises befürchten. Nun meldet das Internationale Wirtschaftsforum Regenerative Energie (IWR) die Halbierung der Preise im Großhandel. Allerdings schneiden die Verbraucher deutlich schlechter ab. Autor: Fiete Hirsch

Trendwende in Deutschland

StrompreisentwicklungDie Großhandelspreise für Strom sind seit dem als Folge der Reaktor-Havarie in Fukushima beschlossenen Ausstieg aus der Atomenergie um rund die Hälfte gesunken. Kostete die Kilowattstunde im Jahr 2008 rund 8,5 Cent und 2011 noch rund 6 Cent, sind in Kürze nur noch 3,2 Cent aufzubringen. Begründet wird dieser Preisverfall vom IWR mit dem steigenden Anteil regenerativer Energien, die im Jahr 2013 rund 26 Prozent am deutschen Strom-Mix ausmachten und bis 2020 weiter auf 45 Prozent ansteigen sollen. Darüber hinaus drücken die Kohlekraftwerke, die noch immer einen Großteil des benötigten Stromes produzieren, ebenfalls die Preise, denn sie haben sich längst amortisiert, profitieren von den günstigen Zertifikaten für die CO2-Emission und können entsprechend billig anbieten. Für neuere Kraftwerke stellt sich die Situation bei Weitem nicht so günstig dar.

Gegenläufige Entwicklung: Verbraucherpreise steigen

An den Verbrauchern geht diese Preisentwicklung aber vorbei, sie müssen die Energiewende zwangsläufig als gravierenden Teuerungsfaktor wahrnehmen. Die Stromproduzenten geben nämlich zum einen die fallenden Preise nicht weiter, zum anderen steigen die zusätzlichen Abgaben, die für eine Familie mit einem Verbrauch von 3.500 Kilowattstunden im Jahr 2013 rund 400 Euro Mehrbelastung ausmachten. Die Umlage zur Förderung der erneuerbaren Energien nahm davon rund 220 Euro ein, die Stromsteuer rund 85 und die Konzessionsabgabe rund 55 Euro. Darüber hinaus werden Verbraucher regelrecht in die Irre geführt, was die Herkunft des bezogenen Stromes angeht: Selbst wenn sie einen Tarif wählen, der zu 100 Prozent erneuerbare Energien verspricht, kann der Versorger dies überhaupt nicht sicherstellen. Die Erzeuger von grünem Strom können diesen nicht gezielt vermarkten, denn die Strombörse macht keine Unterschiede. Selbst wenn ein Verbraucher mit einem speziellen Tarif etwas für die Umwelt tun will, ist dies technisch gar nicht umsetzbar.

Alternativen gesucht – Selbstversorgung?

EEG-Umlage_geplanter_ZubauDie bislang als rentable Alternative gepriesene alternative Stromerzeugung, zum Beispiel mit Photovoltaik-Zellen auf dem Dach, ist schon seit dem sukzessiven Abbau der Einspeisevergütung auf dem Rückzug. Zwar sind die Preise der PV-Module kräftig gesunken, aber die einstmals immens hohen Vergütungen für die Einspeisung ins Stromnetz sind nicht mehr haltbar. Private Investoren haben sich deshalb zunehmend auf die eigene Stromversorgung konzentriert, um von den so stabilen Preisen und der Unabhängigkeit vom Preisdiktat der großen Versorger zu profitieren. Nun plant die Bundesregierung aber, im Rahmen der Ökostromreform die Erhebung einer EEG-Umlage für den Eigenverbrauch jeglicher Ökostromproduzenten aller Größenordnungen. Im Gespräch sind rund 2,5 Cent je Kilowattstunde, die unabhängig von der Erzeugungsart zu zahlen wären.

Weitere Aussichten – Strom sparen

Es lässt sich also festhalten, dass der Strompreis generell zwar fällt, die zusätzlichen Abgaben aber steigen. Auch die Selbstversorgung mit Ökostrom wird immer ungünstiger. Allerdings sollen die geplanten Maßnahmen erst für Anlagen greifen, die ab 2015 ans Netz gehen, sodass noch einmal ein Boom zu erwarten ist. Darüber hinaus können Verbraucher aber ihre finanzielle Belastung aktiv beeinflussen, indem sie
– den Anbieter regelmäßig wechseln, ohne dabei auf die meist kostenintensiveren grünen Strom-Tarife Rücksicht zu nehmen,
– ihr Verbrauchsverhalten kritisch überprüfen, beispielsweise TV-Geräte ausschalten und nicht im Stand-by-Modus halten, und
– ausgesprochene Stromfresser, wie zum Beispiel alte Kühlschränke oder Heizgeräte, abschaffen.
– alte Glühbirnen ausrangieren und die Beleuchtung auf stromsparende LED-Lampen oder Energiesparlampen umzustellen.
Mit diesen direkten Maßnahmen sind schnell deutliche Effekte zu erzielen.


Bildnachweise:
Grafik „Strompreisentwicklung“, Quelle: unendlich-viel-energie.de 2014
Grafik „EEG-Umlage geplanter Zubau“, Quelle: energieheld.de 2014

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