Schimmel-Jahreszeit

16. Jan. 2014 von Olof E. Matthaei

Der Herbst und Winter sind die Jahreszeit des Schimmels.

Schimmel-an-Aussenkante-140114Mal wieder ein schönes Exemplar von Schimmelpilzbefall in einem ungedämmten Wohnhaus in Wuppertal gefunden. Wenn nicht die Sporen vieler Schimmelpilze die Gesundheit gefährden könnten, wären sie richtig schön. Dem geübten Auge des Energieberaters ist sofort klar, woher er rührt: Eine Außenkante ist sehr kühl und hinter den Möbeln kaum belüftet.

Die Bewohnerin der Wohnung hat bereits vor etwa acht Jahren den alten Putz in der Küche abgeschlagen und alles mit einem Gipsputz neu gemacht. Sie hat weder Tapete noch deckende Farbe aufgebracht, um dem Trocknen der Wand keine Hindernisse zu geben. So weit war das ganz gut gedacht.

Die Dynamik des obenstehenden Bildes ist folgendermaßen: Der Kochdunst, feucht und mit diversen leckeren Nahrungsbestandteilen gesättigt, steigt über dem Herd auf und kühlt sich an den beiden Außenwänden dahinter ab. Die nun noch feuchtere Luft sinkt in der Kante wieder ab und bringt ihre Feuchtelast bis zum Fußboden. Ohne dass die Feuchtigkeit an der Wand kondensieren müsste steigt der relative Feuchtegehalt der Luft so weit, dass der Schimmel gut gedeiht. Nahrung ist in der Küchenluft auch genug vorhanden, ein paar Spinnweben unterstützen dabei die Schwebstoffe festzuhalten und dem Pilz eine Basis zu geben.

Gips ist jedoch nicht der richtige Werkstoff. Gips ist einfach zu verarbeiten und bildet die Basis vieler Innenputze. Er kann in begrenztem Maß Feuchte aufnehmen und gibt sie langsam auch wieder an die Umgebungsluft ab. Gegen Schimmel hilft er jedoch insofern nicht, als er nicht alkalisch ist und oftmals organische Beimengungen enthält, die dem Schimmel als zusätzliche Nahrung dienen.

Für die Sanierung der verschimmelten Ecke gibt es eine Strategie:
Zu bedenken ist immer, dass feuchte Luft und kalte Oberflächen vermieden werden müssen. Der Bewohnerin der Wohnung konnte daher geraten werden:
1. Restloses Entfernen des Schimmels durch Entfernen des Putzes und Erhitzen der Wandoberfläche
2. Erhöhen der Temperatur in der Kante durch Aufbringen einer Wärmedämmung in der besonders gefährdeten Zone. Hier bietet sich z.B. Kalziumsilikatplatte in nur unwesentlich geringerer Dicke als der vorhandene Putz an.
2.b Alternativ kann auch ein alkalischer Putz auf Kalkbasis genommen werden. Das erhöht nicht die Temperatur bietet aber ein dem Schimmel unzuträgliches Milieu.
3. Verbesserung der Lüftung z.B. durch Installation eines Dunstabzugs, der während des Kochens den Wrasen direkt nach draußen befördert und damit die Feuchtelast des Raums senkt.

Die Oberflächen sollten nicht mit Tapete und deckenden Farben versiegelt, sondern allenfalls mit offenporiger Silikatfarbe gestaltet werden, um zu gewährleisten, dass Feuchtigkeit, die sich im Bauteil niederschlägt wieder abdunsten kann.

Feuchte Wände und Schimmelpilzbefall können jedoch auch völlig andere Ursachen haben. Vergleichen sie z.B. mit der Referenz, bei der unterschiedliche Ursachen zu ähnlichen Folgen auf verschiedenen Flächen führte. Im Einzelfall ist immer zunächst die Ursache zu ergründen, bevor Maßnahmen ergriffen werden. Das Ingenieurbüro Matthaei hilft Ihnen mit bauphysikalischen und biologischen Messungen und Beratung bis hin zur Planung und Überwachung der Umsetzung von Maßnahmen zur Schimmelsanierung.

Weitere Information zum Thema Schimmelpilz und Schimmelpilzsanierung finden Sie im Fachbeitrag „Schimmel – Ein Energiethema ?!“
Kommen sie gut durch den Winter.


Bildnachweise:
„Schimmel an Aussenkante“, Foto: O. Matthaei, 2014

Do NOT follow this link or you will be banned from the site!
Menü