Sanieren ohne KfW

05. Aug. 2014 von Karin Müller

Öffentliche Förderung zur Erhöhung der Sanierungsquote

Sanieren ohne KfWDie Sanierungsquote in Deutschland ist mit knapp einem Prozent zu gering, um den Gebäudebestand in akzeptabler Zeit auf einen energetischen Level zu bringen, der die Anforderungen der EU (Nahe-Null-Energie-Häuser) und der Bewohner (geringe Heizkosten) erfüllt. Daher kofinanziert die Bundesrepublik Deutschland durch ihre Förderbank KfW energetische Sanierung, um einen Anreiz zu setzen, Sanierungen ausführen zu lassen. Sie fördert auch durch das BAFA mit Zuschüssen zu Energieberatungen, um das Sanieren durch Wissenstransfer vorzubereiten.

Viele hundert Millionen Euro werden so jedes Jahr von öffentlicher Hand in die Sanierung privater Gebäude gepumpt. Es findet eine Umverteilung von Allen zu Wenigen statt. Denn auch wenn fast jeder Hausbesitzer die Zuschüsse und Förderkredite der KfW in Anspruch nehmen darf, so ist doch die Höhe der Förderung an die Höhe der Investition gekoppelt. Wer also viel hat, dem wird viel gegeben. Wer wenig investieren kann, bekommt wenig. Tatsächlich empfehlen wir Energieberater immer wieder Sanierern, die lediglich für wenige tausend Euro in energetische Sanierung investieren wollen, auf den KfW-Zuschuss zu verzichten.

Kleine Sanierungsvorhaben ohne KfW-Förderung

Im Programm „Energieeffizient Sanieren – Zuschussvariante“ (Pogrammnr. 430) gibt es zehn Prozent Zuschuss zu den förderfähigen Kosten. Mithin beim Austausch von 5 Fenstern zu je tausend Euro einen Zuschuss von 500 Euro. Als Anreiz wirkt das zunächst interessant. Die Förderung ist jedoch an erhebliche Auflagen gekoppelt. Technische Mindestanforderungen sind einzuhalten, die weit über die gesetzlichen Anforderungen aus der EnEV hinausgehen, und es muss ein/e zugelassene/r Energetische/r Sachverständige/r die Maßnahme vorher gutheißen und hinterher die richtige Umsetzung bestätigen können. Diese Leistungen erbringt sie/er natürlich nicht kostenfrei sondern verlangt dafür ein Honorar.

Das Honorar der Energieberaterin kann bei kleineren Projekten zehn bis 20 Prozent der Investitionskosten betragen, summiert sich also auf mehr als der Zuschussbetrag für die Maßnahme selber. Das weiß auch die KfW und bezuschusst daher die Kosten für die Energieberater mit 50 % bis zu 4.000 Euro. Für die Bauherrn bedeutet das dennoch, dass sie am Ende entweder gar keinen oder nur einen sehr geringen finanziellen Vorteil für die Investition durch die KfW-Förderung erhalten. Viele Klein-Sanierer hält das davon ab, die Förderung in Anspruch zu nehmen. Den Qualität sichernden Vorteil, den sie durch die Baubegleitung durch einen Energieberater hätten, erkennen sie oft nicht. Den langfristigen Vorteil durch geringere Betriebskosten bedenken sie selten.

Einen dritten Weg möchte ich hier vorschlagen: Sanieren mit Baubegleitung aber ohne KfW-Förderung. Dabei plant ein/e Energieberater/in oder Architekt/in die energetische Sanierungsmaßnahme, schreibt aus, holt Angebote ein und überwacht die Ausführung auf der Baustelle. Damit können die Maßnahmen passend für das Gebäude und das Budget des Bauherrn zugeschnitten werden. Die gesetzlichen Anforderungen werden eingehalten und eine Berechnung der Einsparung führt zur Optimierung der Maßnahmen, so dass der Fokus nicht so sehr auf der Kostenoptimierung der Investition liegt als vielmehr auf der langfristigen Betriebskostenoptimierung.


Bildnachweise:
„Rundum-Sanieren auch ohne KfW möglich“, Foto: Ingenieurbüro Matthaei 2014, cc-by-sa

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