RWE: Vorweggehen oder hinterherlaufen?

04. Mrz. 2014 von Karin Müller

Milliardenverlust in 2013, Dividende halbiert, Massenentlassungen geplant, kein Plan für die Zukunft. So ließe sich die RWE-Bilanzpressekonferenz knapp zusammenfassen. Interessant ist vielleicht noch, dass der Vorstand erklärte, seine eigenen Bezüge halbieren zu wollen. Ach ja und nun bittet der Konzern um öffentliche Hilfe. Keine Subventionen natürlich. Sondern?

Kohlekraftwerk_ApfelbaeumchenWie konnte es geschehen, dass einer der vier ganz großen Stromkonzerne in Deutschland zum ersten Mal seit dem zweiten Weltkrieg in die Miesen rutscht? Dazu muss man erst einmal fragen, womit RWE sein Geld macht. Bis vor etwa 15 Jahren die Liberalisierung des Strommarktes es erforderlich machte, das Unternehmen in seine Zweige Stromproduktion, Netzbetrieb und Endkundengeschäft zu zerlegen, war die gesamte Wertschöpfungskette im Haus RWE vereinigt. Dass es nun Zweige für die verschiedenen Sparten gibt, hat jedoch mehr nominelle Bedeutung.

Die Eigentümer sind geblieben und über die Konzernverflechtungen hängt das Geschäft genau so zusammen, wie früher. Doch gerade im Geschäft der Stromerzeugung hat sich einiges in Deutschland geändert. RWE hat nach eigenen Angaben seine Kompetenz in den Bereichen der Öl-, Gas- und Braunkohleförderung sowie der Verstromung dieser Energieträger. Dass bei steigendem Absatz im Strommarkt insgesamt RWE einen Rückgang von 5 % bei der Stromproduktion einstecken musste, hängt sicherlich in erster Linie damit zusammen, dass RWE nicht mehr zeitgemäß produziert.

Die Kohleverstromung macht bei RWE 57,1% aus, 12,7% stammen aus Kernkraft. Nominell ist der Anteil der Erneuerbaren bei 27,1%. Aber genau hier hängt die Entwicklung bei RWE zurück. Das mit dem VoRWEeggehen ist eben doch noch nicht so weit gediehen, wie die Werbung des Unternehmens uns Glauben zu machen versucht. Die Essener sind fast nur im Bereich der Offshore-Windenergie in die Produktion der Erneuerbaren eingestiegen. „Think big“ war immer wichtig für den großindustriell aufgestellten Konzern. Dagegen entwickelte sich die Stromproduktion in den letzten Jahren deutlich weg von den Großkonzernen und ging mehr in Bürgerhand und zu kleineren Unternehmen.

RWE kann immer noch eine Dividende ausschütten, auch wenn diese auf nur noch einen EuroPeter Terium, Vorstandsvorsitzender der RWE AG je Aktie halbiert werden soll (Preis der Aktie am 4. März 2014: ca. 29 Euro). Der bilanzielle Verlust ist offenbar in erster Linie auf Berichtigungen beim Anlagevermögen zurückzuführen. Die noch lange nicht abgeschriebenen, relativ jungen Gaskraftwerke und Braunkohlekraftwerke, die von Konzern und Politik als Beitrag zur Energiewende gefeiert werden, zeigen sich momentan als nicht lukrativ. Laut RWE-Chef Peter Terium sind in 2013 bereits einige Kraftwerke stillgelegt worden, in 2014 könnten weitere folgen.

 
Konzernchef Terium fordert nun eine Bezahlung für das Vorhalten von Kraftwerkskapazitäten, die er aber nicht als Subvention betrachtet. In der Logik der großindustriellen Stromkonzerne ist es systemstabilisierend erforderlich, leicht regelbare Gaskraftwerke vorzuhalten, um für Zeiten in denen die Produktion der fluktuierenden (erneuerbaren) Energiequellen fehlt, die Fehlmengen darstellen zu können. Ein derartiges Marktsystem, in dem nicht die Produktion, sondern die Möglichkeit der Produktion bezahlt wird, fördert jedoch weder Wettbewerb noch Innovation, sondern stabilisiert die Stromgroßindustrie. Denkbar wäre natürlich, dass sämtliche potenziellen Leistungsreserven, auch die der erneuerbaren Quellen, bezahlt werden. Hierfür würde ein solches System noch deutlich mehr Sinn machen, weil tatsächlich fast nur die Bereitstellung der Kapazität, nicht aber der eigentliche Betrieb Kosten verursachen. Wer aber ist der Weise, der entscheidet, welche Kapazität bezahlt wird und welche nicht. Der Vorschlag erscheint äußerst riskant, wenn man ihn einmal konsequent weiterdenkt.

Eine ganz andere Vorgehensweise schlägt der Solarenergieförderverein SFV vor. Wolfgang Fabeck vom SFV sieht ein Problem in der Art des Handels, bei dem Termingeschäfte Tage im voraus Atom- und Braunkohlestrom in ihrer Menge zementieren. Der Strom aus erneuerbaren Quellen senkt dann zwar noch den Spotmarkt-Preis für die kurzfristigen Mengen (teilweise sogar auf Negativpreise), der Vorrang für die Erneuerbaren ist aber schon im Vorfeld gebrochen. Folgte man Fabecks Vorschlag für einen reinen Spotmarkt würden sämtliche Strommengen kurzfristig nach dem Merit-Order-Prinzip verhandelt und es würden die billigen Strommengen aus den erneuerbaren Quellen den Vorrang erhalten. Nur im Fall eines Ausbleibens von Strom aus diesen Quellen würden fossile Kraftwerke einspringen und dann entsprechend hohe Erlöse erzielen.

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Bildnachweise:
„Kohlekraftwerk_Apfelbaeumchen“, Karikatur (C) Gerhard Mester, SFV.de 2014
„Peter Terium“, Vorstandsvorsitzender der RWE AG, Foto: Pressebild RWE 2014

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