Pflichtangabe der Energie-Effizienzklasse

14. Okt. 2014 von Olof E. Matthaei

Energieausweise enthalten seit dem Mai 2014 nicht nur die berechneten Angaben sondern zusätzlich eine Angabe der Energieeffizienzklasse, wie sie von Elektrogeräten bereits seit geraumer Zeit bekannt ist. Diese Regelung soll Kauf- oder Mietinteressenten einen schnellen Überblick geben, wie effizient das Objekt ist.
Effizienzhaus 40 - fast fertig
Entstanden ist diese Neuordnung der Angaben auf Energieausweisen, weil die bisherigen und immer noch enthaltenen Angaben zu Endenergiebedarf und Primärenergiebedarf einem Normalmenschen wenig sagen. Mit der Berechnung nach Energieeinspar-verordnung hat dies nur am Rande zu tun. Für die Zulässigkeit einer Neubau-, Erweiterungs oder Sanierungsmaßnahme wird mit einem Referenzgebäude gleicher Geometrie, Gebäudenutzfläche und Ausrichtung verglichen. Dieses Referenzgebäude kann je nach Gebäude in sehr unterschiedlichen Effizienzklassen landen.

Energie-Effizienzklasse Pflichtangabe in Immobilienanzeigen

Die Angabe der Effizienzklasse von A+ bis H für die Endenergie ist Pflicht in gewerblichen Immobilienanzeigen, um so schon frühzeitig Information zur Verfügung zu stellen. Von den Suchenden wird diese Information gerne aufgenommen. 77 % von im Rahmen einer Umfrage eines Strom-Wärmepumpen-Herstellers Befragten gaben an, dass die Effizienzangaben ihre künftige Miet- oder Kaufentscheidung wesentlich beeinflussen würden.

Energieeffizienzklasse vergleicht Birnen mit Äpfeln

Wie verlässlich aber sind die Angaben? Was sagt die Klasse überhaupt aus? Dazu muss zunächst erklärt werden, was der Energieausweis überhaupt angibt. Dies sind neben den allgemeinen Angaben zur Identifizierung des Objekts die Nutzfläche oder Wohnfläche als Energiebezugsfläche, der Endenergiebedarf je Quadratmeter Energiebezugsfläche und der Primärenergiebedarf je Quadratmeter Energiebezugsfläche. Beim Verbrauchsausweis wird statt des berechneten Bedarfs der gemessene Verbrauch benutzt. Der Rechenweg geht dabei von den Verlusten des Gebäudes bei normaler Nutzung aus. Der jährliche Heizwärmebedarf Qh und der Warmwasserbedarf Qtw werden berechnet. Danach kommt die Anlagentechnik mit ihren spezifischen Eigenschaften und Verlusten, die diese Wärmemengen decken soll. Und genau da liegt der Haken.

Um eine Menge Qh + Qtw am Punkt der Nutzung (als Raumwärme bzw. am Wasserhahn) zur Verfügung zu stellen, hat jedes System andere vorgelagerte Verluste. Die Endenergiemenge, die der Anlage zugeführt werden muss variiert daher. Eine Elektrodirektheizung hat praktisch kaum Verluste. Ein Holzofen dagegen hat hohe Abgasverluste und Regelungsverluste. Das führt dazu, dass die Elektroheizung in eine gute Effizienzklasse führt, der Holzofen dagegen in eine sehr schlechte. Diese Einordnung bringt dem Hausinteressenten jedoch wenig. Holz und Strom sind keine vergleichbaren Energieformen. Auch preislich ist der Unterschied extrem hoch, so dass der Bewohner eines elektrisch beheizten Hauses eventuell mehr für Wärme ausgeben muss als jener, der mit Holz heizt. Die Holzheizung ist dagegen sehr arbeitsintensiv.

Um die verschiedenen Energieformen vergleichbar zu machen, hat der Gesetzgeber schon mit der EnEV 2002 Primärenergiefaktoren eingeführt. Der Primärenergiefaktor gibt den Aufwand an nicht erneuerbarer Energie an. Für Strom ist dieser Wert mittlerweile auf 2,4 gesunken, für Gas und Öl liegt er bei 1,1 und für Holz und Holzpellets bei 0,2. Das bedeutet: Der Verbrauch einer Kilowattstunde der jeweiligen Energieform verursacht weltweit einen Aufwand von 2,4 (Strom), 1,1 (Öl oder Gas) bzw. 0,2 kWh. Anders ausgedrückt. Ich kann etwa fünf Mal so viel Holz verbrennen um den gleichen Primärenergieverbrauch zu haben, wie beim Verbrennen von Öl.

Solarstrahlung und Umweltwärme (Luft, Erde Wasser) werden nicht gezählt. Und zwar weder als Endenergie, noch als Primärenergie. Eine Heizanlage, die Umweltwärme nutzt hat also einen wesentlich geringeren Endenergiebedarf, als eine Heizanlage, die dies nicht tut. Im Erneuerbare-Energien-Wärme-Gesetz ist geregelt, dass ein Teil des Wärmebedarfs aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden muss.

Ein Beispielgebäude

Wir haben nun ein Beispielgebäude (nicht identisch mit dem Foto oben) berechnet, das über eine normale Gebäudehülle für einen Zweifamilienhaus-Neubau, Zu-/Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung und Fußbodenheizung verfügt. Der Heizwärmebedarf liegt bei 52 kWh/m²a, der Trinkwarmwasserbedarf beträgt 12 kWh/m²a. Dieses Gebäude wird alternativ mit Gas-Brennwertheizung und Solarunterstützung (in den Grafiken: Ist-Zustand), Pelletheizung oder elektrisch betriebener Erdwärmepumpe beheizt. Daneben steht noch das Referenzgebäude, das mit Öl-Brennwertheizung und Abluftanlage ausgestattet ist.

Endenergie-Primaerenergie-VergleichDie erste Grafik zeigt den berechneten Bedarf an End- und Primärenergie. Deutlich ist, dass die Ordnung erheblich verschieden ist. Während bei der Endenergie die Erd-Wärmepumpe das beste Resultat aufweist, ist bei der Primärenergie die Pelletheizung vorne, obwohl diese den höchsten Endenergiebedarf aller Varianten aufweist.

Durch die sehr unterschiedlichen Kosten der verschiedenen Energieformen ergeben sich für die fiktiven Bewohner der zwei 100 m²-Wohnungen sehr ähnliche Kosten von 3,80 – 3,90 €/m²a für Gas, Pellets oder Strom. Pellets werden derzeit zu etwa 5 ct/kWh gehandelt, Strom kostet ca. 20 ct/kWh und Gas liegt bei 6,7 ct/kWh. Kostentechnisch ist es also für den Bewohner egal. Sehr viel entscheidender ist die Qualität der Gebäudehülle. Und dies in doppelter Hinsicht: Nicht nur der Heizwärmebedarf wird über die Qualität der Gebäudehülle definiert, sondern auch der Wohnkomfort.Bandtacho-Vergleich Je besser die Hülle, desto angenehmer ist es darin. (Vergleiche: Passivhaus)
 
 
 
Die zweite Grafik zeigt die sich ergebenden Effizienzklassen der vier Varianten.
Der Gaskessel liegt wie das Referenzgebäude in der Klasse B, Der Pelletkessel in C und die Erdwärmepumpe in A+. Noch einmal zur Erinnerung: Es handelt sich immer um das gleiche Gebäude. Die Heizkosten sind wie gezeigt fast gleich. Dass dies also eigentlich irreführend ist, zeigt sich am Vergleich der CO2-Emissionen (Grafik drei).
 
 
CO2-EmissionDer klimaschädliche Ausstoß von Kohlendioxid ist bei der Pelletheizung am geringsten, bei der Erdwärmepumpe im mittleren Bereich und bei der Verbrennung fossilen Erdgases am höchsten. Der Ölkessel im Referenzgebäude ist sowieso indiskutabel.
 
 
 

Verbesserungsvorschläge

Die meisten Fachleute halten die Effizienzklassen, so wie sie derzeit gehandhabt werden, für nicht sinnvoll. Frühere Vorschläge (vergleiche Beitrag vom 26.3.2013: Ziel: Klimaneutraler Gebäudebestand bis 2050) sind leider nicht fortgeführt worden. Sinnvoll wäre eine Aufspaltung der Angaben in eine Effizienzklasse für die Gebäudehülle und eine für die Anlagentechnik. Angegeben würde dann der Heizwärmebedarf pro Quadratmeter und Jahr Qh und die Aufwandszahl e für die Anlagentechnik. Den Aufwand für Trinkwarmwasser sollte man lediglich in der Aufwandszahl für die Anlagentechnik mit bewerten. Als Bedarfswert taugt dies nicht, weil der tatsächliche Verbrauch von Trinkwarmwasser sehr von den Nutzern abhängig ist.


Bildnachweise:
Foto: O.Matthaei 2014
Grafiken „Endenergie-Primärenergie-Vergleich“, „Bandtacho-Vergleich“, „CO2-Emissionen-Vergleich“: O. Matthaei 2014

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