Nachfrage nach Energieberatung ist im Keller

11. Nov. 2015 von Olof E. Matthaei

trendanalyse-energieberatung November 2015Liegt es am geringen Ölpreis und dem Gefühl an der Tankstelle, mehr Benzin für’s Geld zu bekommen? Die Nachfrage nach Energieberatung ist seit sechs Jahren kontinuierlich rückläufig.
Das BAFA fördert Energieberatung und hat auf die sinkende Nachfrage mit deutlich erhöhten Zuschüssen je einzelner Energieberatung reagiert. Sogar auf die Klagen der Energieberater, die Anforderungen seien viel zu hoch und die Beratung orientiere sich nicht an den Kundenbedürfnissen, hat das BAFA durch Anpassung der Förderbedingungen reagiert.

Internetinformation statt Beratung

Im Gespräch mit einem Beraterkollegen hörte ich kürzlich, dass auch die Nachfrage nach Energieberatung bei der Verbraucherzentrale völlig weggebrochen sei. Sein Erklärungsansatz war jedoch ein Anderer. Er sah eher eine Sättigung der Hausbesitzer und potenziellen Sanierer mit Information: „Als ich 1990 mit der Energieberatung anfing hörten die Leute noch ungläubig staunend zu, wenn man ihnen erzählte, dass es Solaranlagen gibt und dass man mit dem so erwärmten Wasser tatsächlich duschen kann. Heute kennt das jeder und man bekommt alle Information im Internet.“ Kann es sein, dass das reicht?

Wir alle informieren uns im Internet. Es gibt fast jede Information dort. Selbst neueste Forschungsergebnisse sind sehr schnell verbreitet, weil sich ja jedes Institut auch gerne in den Vordergrund spielt und Ergebnisse vorzeigen will, um weiter Fördergelder zu bekommen. Wir können alles wissen… Tun wir aber nicht! Das Internet arbeitet ohne wirksame Filter. Und wer nicht bereits ein solides Vorwissen hat, kann das, was jemand Anderes in die Welt gesetzt hat nicht auf Wahrheit oder auch nur Wahrscheinlichkeit prüfen. Ebenso geht es uns mit dem Fernsehen. Gerade die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten gerieren sich gerne als Aufklärer und Bastion gegen das Böse.

Angst nach Fernsehberichten

Immer wieder kommen auf diese Weise halbgare Recherchen, die sich auf schiefgegangene Projekte stürzen und daraus Allgemeines ableiten. So gab es eine Weile lang ein „bashing“ gegen Dämmung: „EPS ist brandgefährlich“, „Dämmen rechnet sich nicht“, „Gedämmte Häuser schimmeln, weil sie nicht mehr atmen“ oder gerade neulich: „Die Energiekosten von Passivhäusern mit Wärmepumpe sind so hoch, dass es den Bauherren das Genick bricht.“ Solcher und ähnlicher Unfug wird – aus unser aller Rundfunkbeiträgen finanziert – im Äther verbreitet. Wenn diese Bericht noch frisch in den Köpfen der Kunden des Energieberaters sind, dann hat man mehr mit diesen wirren Vorurteilen zu kämpfen, als dass man sich auf das Gebäude konzentrieren kann.

Aber wer weiß denn, ob das, was er weiß, richtig oder Unfug ist? Wie sortiert und bewertet man die Information? Woher kommt das Fachwissen, das einen guten Energieberater auszeichnet und ihn vom normalen Hausbesitzer unterscheidet? Um eine Beratungsförderung vom BAFA für eine Energieberatung zu erhalten, muss man als Energieberater sehr qualifiziert und spezifisch weitergebildet sein. Man muss Erfahrung und Unabhängigkeit nachweisen. Die KfW fördert Energieeffizientes Sanieren und Bauen. Auch diese Institution bindet dabei freie Energieberater als unabhängige Kontrollinstanz ein. Für den Sanierer bedeutet die Energetische Baubegleitung dabei eine Qualitätssicherung. Auch die KfW prüft sehr genau, wer als Energieberater tätig ist. Sie fordert die Listung in einer von der Deutschen Energieagentur (dena) geführten Liste von Energie-Effizienz-Experten. Um in diese Liste zu gelangen, müssen die Energieberater nicht nur Grund- und spezielle Qualifikation nachweisen, sondern sich auch regelmäßig fortbilden.

Energieberatung und Energetische Baubegleitung bedeutet:

  • Saubere Analyse,
  • technisch und wirtschaftlich qualifizierte Aussagen,
  • umfassende Planung
  • Hilfe bei der Beschaffung von Fördermitteln
  • Absicherung der Umsetzung

Bildnachweise:
trendanalyse-energieberatung, Quelle: google.de 2015

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Artikel vom 03.06.2014: Dena rät zu Energieberatung
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Artikel vom 01.10.2012: Energetische Baubegleitung – Wozu?
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