Ist das Energiesparzeitalter beendet?

01. Jan. 2015 von Olof E. Matthaei

Das neue Jahr fängt ja gut an.

Heizoelpreis-Dezember2014Als Folge des Preisverfalls auf dem Rohölmarkt sind auch die Heizölpreise gesunken. Die letzten Angebote vom 30. Dezember 2014 liegen bei ca. 58 Eurocent brutto je Liter. Vor nicht einmal einem Jahr lag der Energiepreis bei über 85 Cent pro Liter. Ein Preisrückgang von über einem Drittel. Ähnliches erleben wir derzeit an den Tankstellen. Der Preis für Benzin und Diesel ist seit Jahresmitte kontinuierlich gesunken. Wurden für Super E10 in der ersten Jahreshälfte 2014 noch über 1,50 € verlangt, so kostet der Treibstoff für Autos zum Jahreswechsel nur noch etwa 1,30 €. Der Preisrückgang fällt mit 13 % geringer aus als beim Heizöl, was teilweise an einem hohen Fixanteil an staatlichen Abgaben liegt. Die Gaspreise folgen dem Ölpreis mit einer Verzögerung von etwa einem halben Jahr, so dass zu erwarten ist, dass auch diese demnächst sinken.

Bei einer Lebenserwartung von 75 Jahren, muss ich mir als Mittfünfziger also keinerlei Gedanken darüber machen dass das Heizen und Autofahren zu teuer würde, oder? Die Ölindustrie erklärt uns, dass die Ölförderung noch für viele Jahrzehnte gesichert sei. Der Preis ist im Keller, also: Thema erledigt.

Wir Energieberater leben in gewisser Weise von der Furcht der Hausbesitzer, dass zukünftige Energiekosten ihnen früher die Haare kosten könnten, als die Natur des Alterns das vorgesehen hatte. Furcht weg, Geschäft weg! Müssen sich jetzt die Energieberater fürchten? Weiter sind die Hausbesitzer durch stetig wiederholte Medienberichte verunsichert, die versuchen uns weiszumachen, dass Dämmen sich letztlich nicht lohne und zu Gesundheitsproblemen führen könne. Ich habe gar keine Lust, diesen Blödsinn auch noch zu kommentieren. Ich weiß nicht, wer dahinter steckt und mit welchen Methoden sogar die öffentlich-rechtlichen Medien dazu gebracht werden, solchen Unsinn zu verbreiten. Lieber möchte ich der Frage nachgehen, ob wir nun wirklich mit dem Sparen aufhören können. Das wäre doch schön. Keine großen Investitionen mehr, das Wohnen wird rundum billiger.

Wie geht Energieverschwendung?

Dazu erst einmal ein Szenario des Wohnens in einem Nicht-gedämmten Gebäude. Wir stellen uns ein Haus aus den 1950er oder 60er Jahren vor. Massiv gemauerte Wände haben einen U-Wert von 1,60 W/m²K. Eine Betondecke liegt auf dem Keller, der Estrich darüber ist mit einer 2 cm dicken Dämmstofflage davon getrennt, U = 1,2 W/m²K. Das Dach ist zum bewohnten Raum lediglich mit einer verputzten Heraklith-Platte getrennt, U = 1,6 W/m²K. Die Fenster sind in den 1980er Jahren erneuert worden und haben einen Uw = 2,7 W/m²K. Ein durch und durch typisches Haus, das dafür steht, das in Deutschland nach wie vor die Gebäudeerwärmung für mindestens ein Drittel des Gesamtenergieeinsatzes verantwortlich ist. In diesem Haus zieht es aus den Türen, Fenstern und Steckdosen. Wenn es draußen kalt ist, kann man sich den Wänden nicht mehr als bis auf einen Meter nähern, danach ist das Gefühl der Kältespannung zu groß. An den Fenstern fällt kalte Luft herab, von den großen Heizkörpern darunter nur dürftig in Schach gehalten. Die Lufttemperatur muss auf 23°C gebracht werden, um überhaupt eine halbwegs akzeptable Wohnsituation zu bekommen.

In Fensterlaibungen, unten auf den Fensterrahmen und hin und wieder auch auf Wänden schimmelt es. Das lässt sich auch mit viel Lüften nicht komplett vermeiden, da der Mindestwärmeschutz an keinem Bauteil eingehalten ist. Obwohl wir also jedes Jahr 20-25 Liter Heizöl je Quadratmeter Wohnfläche einsetzen, bleibt das Haus – im Winter – unangenehm. Aber wir haben ja versprochen nicht zu dämmen. Also auch keine „Styroportapete mit Alukaschierung“, hinter der es zwar auch schimmelt, die aber immerhin die Oberflächentemperatur etwas anheben kann. Kennen Sie diese Art von Haus? Wenn Sie selbst in einem solchen wohnen, dann finden Sie das bestimmt normal. Es ist eben Winter, da muss man sich einen Pullover und dicke Socken anziehen. Wenn das Ihre Einstellung dazu ist, dann hören Sie jetzt auf zu lesen, denn dann kommen der Energieberater und Sie sicher nicht zusammen.

Effizienzhäuser

Es gibt auch andere Häuser. Solche, in denen die operative Raumtemperatur mit sehr geringen Temperaturdifferenzen zwischen Luft und umgebenden Flächen auf einem angenehmen Level gehalten wird. Häuser in denen die Luft frisch und sauber ist, ohne dass die Fenster alle zwei Stunden geöffnet werden müssten. Wo man sich sogar bei minus 20°C den Fenster nähern kann und es sich gut anfühlt. Selbst wenn die Heizanlage nicht auf dem allerneuesten technischen Stand ist, braucht so ein Haus kaum noch Energie und trotzdem fühlen die Bewohner sich wohl. Und wenn die Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung versehen ist und die Wärme aus erneuerbaren Quellen stammt, dann liegt der Energieaufwand im Heizöläquivalent unter drei Litern je Quadratmeter und Jahr. Ganz abgesehen davon, welches Preisniveau die Energieträger haben, bedeutet ein Verbrauch von 10-15% dessen, was das unsanierte Haus braucht, natürlich geringere Energiekosten. Nur die Wirtschaftlichkeit aus dem Verhältnis von Investitionskosten zu eingesparten Energiekosten ist eventuell nicht gegeben. Das Wohnen und Arbeiten in einem effizienten Haus ist dennoch allemal komfortabler und schöner. Also bereits im eigenen Interesse ist die Sanierung zum Passivhaus oder zum Effizienzhaus sinnvoll.

Klimawandel und Energiewende

800px-Verlauf_Kohlendioxidgehalt-2012-08-05Nebenstehende Grafik zeigt den Verlauf des CO2-Gehalts in der Erdatmosphäre seit 420.000 Jahren. Leider endet die Grafik gegen 2010. Mittlerweile ist der CO2-Gehalt bereits bei dauerhaft über 400 ppm (=0,4‰) angekommen. Das Europäische Testzentrum für Wohnungslüftungsgeräte (TZWL) e.V. veröffentlicht Live-Messdaten aus Dortmund, die zeigen, dass in deutschen städten nur noch selten CO2-Werte unter 500 ppm vorliegen. Wir haben also nahezu eine Verdoppelung des CO2-Gehalts seit dem Anfang der Industrialisierung.

Die Folge dieses enormen Anstiegs jenes Gases, das das Verbrennungsprodukt fossiler Energieträger (Kohle, Öl, Erdgas) ist, ist eine Erwärmung der Erdoberfläche durch den sogenannten Treibhauseffekt. Das Kohlendioxid lässt kurzwellige Strahlung der Sonne passieren, vermindert aber die langwellige Rückstrahlung in den Weltraum, so dass die Atmosphäre, Erdkruste und die Ozeane sich aufheizen, Gletscher und Polkappen schmelzen und das Klima der Erde sich dramatisch verändert. 2014 war die Jahresmitteltemperatur in Deutschland etwa 2, weltweit etwa 1,7 Kelvin höher als die langjährige Mitteltemperatur.
Entwicklung der Jahresmitteltemperatur
Die Versicherungsbranche spricht von einer Verdreifachung der klimabedingten Schadensereignisse in den letzten 20 Jahren und rechnet mit einem weiter beschleunigten Anstieg.

Weltweit ist daher eine Energiewende erforderlich. Das Verbrennen fossiler Energieträger muss aufhören. Das noch vorhandene Öl und Gas darf in der Erde bleiben, wenn es gelingt durch Effizienz (Dämmung und optimierte Technik) sowie Einsatz erneuerbarer Quellen (Sonne, Umweltwärme, nachwachsende Rohstoffe) den Bedarf für fossile Energierohstoffe zu minimieren bzw. zu beenden. Und da sind unsere Gebäude nach wie vor der ganz wesentliche Part, an dem gearbeitet werden muss. Energieeinsparung in Wohngebäuden und Nichtwohngebäuden ist ein Schlüssel beim Übergang zur post-fossilen Wirtschaft. Die Kunden in der Energieberatung sind dieses Jahr also hoffentlich jene Gebäudeeigentümer, die nicht primär die Frage stellen: „Wann rechnet sich das?“ Sondern jene, die fragen: „Was kann ich Gutes tun?“

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und uns Allen ein aktives Jahr 2015!


Bildnachweise:
Grafik Heizölpreis-Dezember 2014, Quelle: heizoel24.de 2014
Grafik Entwicklung des Kohlendioxidgehalts in der Atmosfäre, Quelle: Wikipedia.de 2012
Grafik Entwicklung der Jahresmitteltemperatur, Quelle: Umweltbundesamt.de 2014

Frühere Beiträge zu diesen Themen:
13. Mai 2013: Kohlendioxidgehalt und Börse auf Allzeithoch
20.November 2011: Keine Abkehr vom Öl und Gas

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