Förderbeispiel: Effizienzhaus mit erneuerbarer Energie

31. Mrz. 2015 von Olof E. Matthaei

Geschickte Nutzung von Förderprogrammen vereinfacht das Sanieren.

Ab dem 1. April 2015 ordnet das BAFA seine Förderung des Einbaus von Heizungsanlagen mit erneuerbaren Energieträgern neu (vergleiche Beitrag vom 24. März 2015). Teilweise werden die Förderungen erhöht. Auch andere Förderprogramme sind nutzbar, teilweise auch kumulativ. Bekannt ist das KfW-Programm Energieeffizient Sanieren, mit dem Einzelmaßnahmen oder auch Effizienzhaus-Sanierungen als Ganzes gefördert oder finanziert werden können. In Nordrhein-Westfalen gibt es über das Programm progres.NRW weitere Unterstützung z.B. für den Einbau von Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung und für den Einsatz erneuerbarer Energieträger in der Heizanlage. Und selbst die Leistungen der Energetischen Baubegleitung werden von der KfW noch bezuschusst. Hier wird eine Beispielrechnung aufgemacht, wie die Sanierung eines Einfamilienhauses mit Fördermitteln geschickt ausgeführt werden kann.

Dieses Beispiel ist nicht so zu verstehen, dass wir anraten, sich ein Förderprogramm zu suchen und dann die eigene Sanierung dahin zu biegen, dass die Förderrichtlinien eingehalten werden. Das Vorgehen muss immer sein: Was brauchen wir an Wohnraum? Welchen (Komfort-)Anspruch haben wir? Wie groß ist unser Budget? Welche Immobilie haben wir? Welche Maßnahmen sind hier sinnvoll? Wer kann die wie und zu welchem Preis umsetzen? Und erst dann kommt die Frage: Gibt es Fördermittel, die zu unserem Projekt passen? Natürlich ist die Absicht der Fördermittelgeber eine andere. Man will Sie motivieren, Maßnahmen umzusetzen, die Sie sonst nicht umsetzen würden. Aber das ist wie Werbung: Wer drauf eingeht ist schon reingefallen!

Unsere Beispieleigentümer haben also herausgefunden, dass sie ihr Haus mit 180 m² Wohnfläche zu einem Effizienzhaus 55 umwandeln wollen. Es soll eine Nahezu-Passivhaus-Standard entstehen, in dem sich die ganze Familie wohlfühlt. Das Budget von 400.000 Euro ist mit dem Kaufpreis und Nebenkosten schon zu zwei Dritteln weg. Es stehen noch 140.000 Euro für Sanierung, Renovierung, Verschönerung, Planungs- und Nebenkosten zur Verfügung. Da diese Summe nur noch über Kredit finanzierbar ist, wäre man über jeden eingesparten Euro froh.

Die Energieberatung hat ergeben, dass die Immobilie derart ertüchtigt werden kann, dass die Gebäudehülle und der Primärenergiebedarf die Kriterien für ein Effizienzhaus 55 nach der KfW-Richtlinie einhalten. In der anschließenden Detailplanung werden auch die Kosten genauer berechnet. Es ergibt sich folgende
Übersicht der Kosten:

Sanierungsteil, Maßnahme Kosten
Gebäudehülle: Dämmung, Fenster etc. 68.000 €
Heizanlage: Pellet-Rennwertkessel 10kW, Solarkollektoren 10m², Pufferspeicher 1.000l, Frischwasserstation, Regelung, Optimierung der Verteilung 25.000 €
Wohnungslüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung 8.000 €
Planungskosten, Energetische Baubegleitung 10.000 €
nicht Energie-relatierte Kosten (Innenräume, Elektro, Sanitär etc.) 29.000 €
Summe: 140.000 €

 
 
BAFA-Förderung BiomasseanlagenFür die Finanzierung wird zunächst das Programm Energieeffizient Sanieren – Kreditvariante der KfW mit 75.000 Euro genutzt. Der Rest wird über die Bank zwischenfinanziert.
Der Energetische Baubegleiter achtet darauf, dass jedes Förderprogramm zur rechten Zeit beantragt wird. Manche Programme werden vorher, andere hinterher beantragt. Die genaue Analyse der verschiedenen Förderrichtlinien ist dafür unerlässlich. Links z.B. eine Übersicht des BAFA zur Förderung von Biomasseanlagen (Pelletskessel).
In diesem Beispiel ist wichtig das Zusammenspiel einer effizienten Gebäudehülle (Effizienzbonus) mit Pellets-Brennwertkessel (Innovationsförderung) und Solaranlage (Kombinationsbonus).

Es werden genutzt:
Fördermittel

Institut Programm Betrag
BAFA Innovationsförderung Pelletkessel mit Brennwertnutzung mit Pufferspeicher 5.250 €
Basisförderung Solarkollektoranlage < 14 m² 2.000 €
Kombinationsbonus (Pellet+Solar) 500 €
Gebäudeeffizienzbonus 50% der Basis-/Innovationsförderung 3.625
progres.NRW Biomassekessel 2.500 €
Solarkollektoranlage 10m² 900 €
Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung 1.000 €
KfW Tilgungszuschuss für Effizienzhaus 55: 22,5% des Kreditbetrags 16.875 €
Zuschuss zur Energetischen Baubegleitung, 50%, max. 4.000 € 4.000 €
Summe: 35.650 €

 
Die Förderquote von über 25% ist fast so gut wie für ein Kernkraftwerk. Außerdem hat die Sanierung natürlich langfristig den Nutzen, die Energiekosten und den Schadstoffausstoß gering zu halten. Eine Refinanzierung kommt also über die eingesparten Energiekosten. Der größte Nutzen aber ist: Unsere Beispielfamilie wohnt in einem super komfortablen Haus und ist so ziemlich unabhängig von Energiepreisschwankungen.


Bildnachweise:
BAFA-Förderung Biomasseanlagen, Bearbeitung: IBMatthaei 2015

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