Energiekosten und Energetische Sanierung

17. Nov. 2015 von Olof E. Matthaei

Warum energetische Sanierung von Gebäuden auch bei geringen Energiekosten sinnvoll ist.

Energiepreise im Sinkflug

Energiepreisentwicklung_2010-2015
Seit 2012 sind die Einfuhrpreise für sämtliche Energieträger dramatisch gesunken. Dies führte auch bei den Verbraucherpreisen zu einer Entlastung. Der Preis für Heizöl ist von fast einem Euro je Liter auf 53 Cent je Liter gefallen. Die Abgabepreise für die Industrie sind sämtlich gefallen. Lediglich die Verbraucherpreise für Erdgas sind nahezu konstant geblieben. Weder die früher geltende Ölpreiskopplung, die dafür gesorgt hatte, dass die Gaspreise ein viertel bis halbes Jahr nach den Ölpreisen mit diesen mit stiegen, noch die um über 40% gesunkenen Einfuhrpreise für Erdgas haben die Preise bislang beeinflusst. Energie ist derzeit gefühlt nicht mehr DER große Kostenfaktor im Leben.

Soll man dann überhaupt in die energetische Sanierung von Gebäuden investieren? Die Bundesregierung pumpt über ihre Förderbank, die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) Milliarden in den Sanierungsmarkt. Über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) wird die Energieberatung mit satten Zuschüssen ordentlich gefördert. Aber die Menschen ziehen nicht mit.

Die Sanierungsquote sinkt. Energieberatung wird kaum noch in Anspruch genommen. Trotz des Nationalen Aktionsplans Energieeffizienz (NAPE) ist das Interesse an energetischer Sanierung nur noch gering. Die Versuche einiger Marktteilnehmer neue Angst zu schüren mit der Aussage, dass die Energiepreise nicht dauerhaft niedrig bleiben würden, zieht auch niemanden mehr vom Hocker. In einer von so genannter Information überfluteten Welt scheint es sinnvoll, zunächst ruhig abzuwarten und erst dann zu handeln, wenn es unausweichlich scheint.

Dass diese Haltung unsere Welt zerstört nehmen wir billigend in Kauf

Der CO2-Gehalt der Atmosphäre steigt dramatisch – mit den bekannten Folgen für das Klima: Erderwärmung, zunehmender Wasserdampfgehalt und energetische Aufladung der Atmosphäre, Zunahme an Stürmen, Dürren, Starkregen, Gletscher- und Polkappenschmelze, Gefahr des Zusammenbruchs des Golfstroms, Wüstenausbreitung. Dazu kommen der Flächenverbrauch und die Degradation von landwirtschaftlichen Flächen durch unbiologische Anbaumethoden. Die Weltbevölkerung hat sich in den letzten fünfzig Jahren verdoppelt, dagegen sind vermutlich hunderte, wenn nicht tausende von Arten ausgestorben, weil sie keinen Lebensraum mehr haben. Es ist längst zu spät. Aber das interessiert uns nicht, solange der Sprit an der Tanke noch bezahlbar ist.

Will man Menschen zum Handeln bewegen, dann muss man sie quälen – oder beim Egoismus packen. Offenbar ist Förderung allein kein Anreiz. Es braucht ein Energieeinspar-Gesetz, das seinem Namen gerecht wird. Das bisherige EnEG und die zugehörige Energieeinspar-Verordnung (EnEV) leisten dies nicht, weil sie sich vorwiegend auf den Neubau konzentrieren. Was aber nützt ein energieeffizienter Neubau, wenn der Altbestand ganz überwiegend bleibt, wie er ist? Der Altbestand verursacht die gleichen Emissionen wie vorher. Eine Absenkung der Emissionen gibt es nur, wenn der Bestand zwingend saniert werden muss.

Sollen Klimaschutzziele erreichen, dann muss saniert werden!

Zum Beispiel kann die Überprüfung eines jeden Wohngebäudes im zehn-Jahres-Turnus vorgeschrieben werden. So wie es für Großunternehmen seit diesem Jahr die gesetzliche Verpflichtung zum Energieaudit alle vier Jahre gibt, so ließe sich auch ein verpflichtendes Energieaudit für sämtliche Gebäude einführen. Dabei wird dann z.B. durch einen Energieberater festgestellt, wie der energetische Zustand des Gebäudes ist und welche Maßnahmen technisch möglich und ökologisch erforderlich sind. Das Wort „wirtschaftlich“, das bislang immer einen Ausweg bot, ist komplett zu streichen.

Mit dem Energieausweis, seinen Berechnungsmethodiken und der Registrierung (derzeit noch beim Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt), zukünftig bei Landesbehörden) gibt es bereits einen Weg, diese Audit-Pflicht ohne große Verzögerung effizient umzusetzen. Dabei könnte das Energieaudit für Gebäude nicht mehr nur bezuschusst, sondern komplett vom Staat bezahlt werden. Die Kosten für vorhandene 19 Millionen Wohngebäude und geschätzte 5 Millionen Nichtwohngebäude betragen ca. 45 Milliarden Euro. Für einen Durchgang also unter 5 Milliarden Euro pro Jahr, bei Zehnjahresturnus.

Aus den so gewonnenen Erkenntnissen, die jeder Gebäudeeigentümer erhält, leiten sich dann Maßnahmen ab, die umgesetzt werden müssen, bzw. die vom durchführenden Energieberater empfohlen werden. Zum Thema Bestandsschutz sei hier auf einen Beitrag von Karin Müller auf energie-effizient-sparen.de verwiesen: Bestandsschutz schadet Allen!

Dies ist das staatlicherseits zukünftig durchzuführende Prozedere. Die Beratung muss kostenfrei erfolgen, zu den Maßnahmen wird gezwungen. Können oder wollen die Eigentümer die Kosten nicht tragen, springt die Allgemeinheit ein und erhält dadurch Eigentumsanteile. Nach spätestens zwanzig Jahren wäre das Vorhaben abgeschlossen und der Gebäudebestand auf den Klima-neutralen Nahe-Null-Energie-Stand gebracht, der schon länger zum politischen Ziel gemacht worden ist. Dass die Politik das Ziel nicht wirklich verfolgt ist der Angst der Politiker davor geschuldet, nicht mehr gewählt zu werden. Lieber lässt man die Welt vor die Hunde gehen, als seinen Anteil an der Macht zu riskieren.

Der egoistische Ansatz

Bis dahin handelt jeder nach seinem eigenen Gutdünken. Energetische Sanierung ist jedenfalls auch derzeit eine gute Idee. Die Beratungsförderung ist mit 60% bei Wohnhäusern (maximal 800 Euro für Ein- und Zweifamilienhäuser, 1.100 Euro für Mehrfamilienhäuser) und 80% bei Energieberatung im Mittelstand (maximal 8.000 Euro) hilfreich. Und für die Energetische Gesamtsanierung wird man nicht nur mit nachhaltiger Energieeinsparung belohnt sondern auch mit deutlicher Komfortsteigerung und bis zu einem Drittel an staatlichen Zuschüssen (Vergleiche: Ein Drittel Zuschuss für Effizienzhaus-Sanierung). Jedesmal, wenn eine Modernisierung oder nur Renovierung ansteht, sollte man sich als Hausbesitzer fragen: Kann ich mit geförderter, energetischer Sanierung das Projekt noch besser und billiger umsetzen?


Bildnachweise:
Grafik „Energiepreisentwicklung_2010-2015“, Quelle: Statistisches Bundesamt 2015

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