Energieaudits müssen bis Ende 2015 durchgeführt werden

09. Jun. 2015 von Webmaster

Sinn verpflichtender Energieaudits für Unternehmen

Im Zuge der Umsetzung der EU-Energieeffizienz-Richtlinie wurde mit der Novelle des EDL-G, des deutschen Energiedienstleistungsgesetzes, die Pflicht zur Durchführung von Energieaudits für Unternehmen eingeführt. Das Gesetz verpflichtet alle großen Unternehmen erstmalig bis zum 5. Dezember 2015 und danach alle vier Jahre ein Energieaudit durchzuführen.

Energieaudits dienen der Energieeffizienz. Sie sollen Unternehmen in den Stand versetzen ihre Energieströme zu erfassen, zu analysieren und anschließend auch zu steuern, um den Energieverbrauch zu senken.

Betroffene Unternehmen

Von der Auditpflicht sind alle Unternehmen erfasst, die nicht unter die KMU-Definition der EU fallen. Im EDL-G wird auf bestehende Definitionen verwiesen. Im Wesentlichen geht es um die Zahl der Mitarbeiter. Werden mindestens 250 Personen beschäftigt oder übersteigt der Jahresumsatz 50 Mio. Euro und die Jahresbilanzsumme 43 Mio. Euro gilt das Unternehmen als Nicht-KMU und unterliegt der Auditpflicht. Bei der Beurteilung der KMU-Eigenschaften sind verbundene Unternehmen zu berücksichtigen – auch wenn deren Sitz innerhalb oder außerhalb der EU liegt. Durch die Verbindung mit anderen Unternehmen, kann ein Unternehmen, das für sich allein betrachtet die Kriterien eines KMU erfüllt, als Nicht-KMU gelten. Verpflichtetes Unternehmen ist in jedem Fall stets die kleinste rechtlich selbständige Einheit.

Wiederkehrende Audit-Pflicht

Die verpflichteten Unternehmen müssen bis zum 5. Dezember 2015 erstmals ein Energieaudit durchführen und danach wiederkehrend alle vier Jahre, gerechnet vom Zeitpunkt des ersten Audits. Die erstmalige Pflicht zur Durchführung gilt als erfüllt, wenn zwischen dem 4. Dezember 2012 und dem 5. Dezember 2015 ein entsprechendes Audit durchgeführt wurde. Unternehmen sind von der Pflicht freigestellt, wenn sie zum o.g. Zeitpunkt ein Energiemanagementsystem nach DIN EN ISO 50001 oder ein Umweltmanagementsystem nach EMAS eingerichtet haben.

Für Unternehmen, die ein solches Energie- oder Umweltmanagementsystems einführen wollen, genügt bis zum 31. Dezember 2016 der Nachweis über den Beginn der Einrichtung des Systems. Der Nachweis erfolgt durch Abgabe einer schriftlichen oder elektronischen Verpflichtungserklärung der Geschäftsführung und die Durchführung der wesentlichen Schritte zur Einführung. Dazu zählen für ein Energiemanagementsystem nach DIN EN ISO 50001 die energetische Bewertung nach Nummer 4.4.3 a) der Norm und für ein Umweltmanagementsystem nach EMAS mindestens die Erfassung, Dokumentation und Analyse der eingesetzten Energieträger mit einer Bestandsaufnahme der Energieströme und -träger sowie die Ermittlung wichtiger Kenngrößen in Form absoluter und prozentualer Einsatzmengen in technischen und monetär bewerteten Einheiten.

Energieaudits und Energieauditoren

Die Energieaudits müssen den Anforderungen der DIN EN 16247-1 entsprechen,
Energieaudit-Ablaufdie auch einen Unternehmensverantwortlichen bzw. -ansprechpartner für die Durchführung des Audits vorsehen.
Energieaudits erfassen mindestens 90 % des Gesamtenergieverbrauchs und

  • basieren auf aktuellen, gemessenen, belegbaren Energieverbrauchsdaten und Lastprofilen;
  • schließen eine eingehende Prüfung des Energieverbrauchsprofils von Gebäuden, Anlagen,
    Betriebsabläufen und der Beförderung ein;
  • basieren nach Möglichkeit auf einer Lebenszyklus-Kostenanalyse anstatt Amortisationszeiten;
  • müssen repräsentativ sein für die Ermittlung der Gesamtenergieeffizienz und ermitteln detaillierte Verbesserungsmöglichkeiten mit Information zu Einsparmöglichkeiten.

Die verwendeten Daten müssen im Unternehmen in einer Weise zur Verfügung gestellt werden, die historische Analysen und eine Rückverfolgung ermöglicht.

Das Energieaudit muss unabhängig durchgeführt werden, d.h. hersteller-, anbieter- und vertriebsneutral. Wird das Audit von eigenem Personal des Unternehmens durchgeführt, ist dieses der Unternehmensleitung unmittelbar zu unterstellen und in dieser Funktion weisungsfrei. Die Mitarbeiter dürfen nicht an den Tätigkeiten beteiligt sein, die einem Energieaudit unterzogen werden. Energieauditoren müssen aufgrund ihrer Ausbildung oder beruflichen Qualifikation und praktischen Erfahrung über die erforderliche Fachkunde zur Durchführung des Energieaudits nach DIN EN 16247-1 verfügen. Die Fachkunde erfordert den Abschluss eines Hochschul- oder Fachhochschulstudiums einschlägiger Fachrichtungen, eine Qualifikation als staatlich geprüfter Techniker einschlägiger Fachrichtungen oder einen Meisterabschlusses sowie eine mindestens dreijährige hauptberufliche Tätigkeit in der betrieblichen Energieberatung.

Das BAFA führt eine öffentliche Energieauditorenliste. Eine Eintragung in diese Liste ist jedoch keine verpflichtende Voraussetzung, um Energieaudits nach dem EDL-G durchzuführen.

Nachweisführung und Sanktionen

Das BAFA ist von der Bundesregierung mit der Umsetzung des Gesetzes betraut und soll in Stichproben die Kontrolle bei Unternehmen vornehmen. Können Unternehmen nach Aufforderung durch das BAFA keinen Nachweis über die ordnungsgemäße und fristgerechte Durchführung des Energieaudits bzw. das Vorhandensein einer Freistellung vorlegen, wird die Missachtung als Ordnungswidrigkeit eingestuft und kann mit einer Geldbuße bis zu 50.000 Euro belegt werden.

Das Ingenieurbüro Matthaei bietet Ihnen seine Unterstützung beim erstmaligen oder wiederkehrenden Energieaudit gerne an. Auch für KMU, die nicht unter die Pflicht zur Durchführung von Energieaudits fallen, ist es durchaus interessant, z.B. im Rahmen einer Energieberatung im Mittelstand eine Art Audit durchzuführen. Energieeffizienz ist immer auch Kosteneffizienz und damit ein Wettbewerbsvorteil.

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