Die Energiewelt verändert sich

15. Jun. 2015 von Karin Müller

Strom und Wärme wachsen weiter zusammen.

Nachdem vor vielen Jahren (vergleiche Beitrag vom 17. März 2011) die Hamburger Lichtblick SE als Stromlieferant aus der Ökostromszene erstmals das Konzept des Schwarmstroms vorstellte, ziehen jetzt auch die Großen der Energiewelt nach. Soeben hat die Baden-Württembergische EnBW eine Pressemitteilung veröffentlicht, mit der sie auf ihre Aktivitäten in diesem Bereich hinweist.

Das Konzept des Schwarmstroms wurde von Lichtblick in Zusammenarbeit mit der Volkswagen AG entwickelt. Es sollten viele Tausend Kleinstkraftwerke in deutschen Kellern stehen, die dem Haus Wärme liefern, aber den Strom je nach Bedarf für Lichtblick im Netz zur Verfügung stellen. Anfang 2014 wurde das Projekt mit nur 1.500 installierten Anlagen eingestellt. Geblieben ist die Entwicklung eines SchwarmDirgent genannten Energiemanagement-Systems, dessen Stärke in der Vernetzung dezentraler Anlagen und des Netzes besteht.

Jetzt macht ein anderer Stromanbieter mit einem anderen Automobilbauer das Gleiche: Die EnBW bietet „EnergyBase“ ebenfalls ein Verwaltungssystem, mit dem der Hausbesitzer seine Energiequellen und Energieverwendung steuern und so optimieren können soll. Das Managementsystem ist eine APP, die auf dem Smartphone oder Tablet installiert wird und Zugriff auf die verschiedensten Bestandteile des energetischen Geschehens im Haus ermöglichen soll, die bislang noch nicht miteinander oder ihrem Herrn sprechen können. „Moderne Haustechnik und eine eigene, regenerative Energieerzeugung gehören für viele Eigenheimbesitzer heute schon zum Standard. Doch in den meisten Fällen arbeitet die PV-Anlage, der Energiespeicher und die Wärmepumpe im Keller nicht nach einer gemeinsamen Logik – und treffen somit nur in Teilen die Bedürfnisse der Bewohner,“ heißt es von EnBW.

EnBW will sich auch den durch Insolvenz angeschlagenen Windstromlieferanten PROKON einverleiben. Weiterhin will man an großen Rädern drehen, auch wenn die Atomstromära sich dem Ende zuneigt. Ob dies für uns als Menschen gut ist, mag bezweifelt werden. Zur Energiewende zählt meiner Meinung nach auch die Wende zu einer von Bürgern getragenen, dezentralen Energieversorgung. Dass die alten Fossilen nicht einfach aufgeben, ist jedoch nachvollziehbar und im Endeffekt ist es sicher besser, wenn auch die großen Stromkonzerne die Energiewende mitmachen und nicht nur, wie sie es lange getan haben, mauern und an ihren Kohle- und Atom-Vorrechten kleben bleiben. Schaler Geschmack bleibt, auch hinsichtlich der durch einen echten Ökostromanbieter geleisteten Pionierarbeit, die jetzt von dem großen Dreckstromkonzern weiter entwickelt wird. Trotzdem können wir EnBW bei der Weiterentwicklung dezentraler Strukturen für die Ökostrom- und Wärmeproduktion mit KWK und Fotovoltaik sowie dessen Management nur Glück wünschen.

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