Das Smart Meter: Tatsächlich sparend?

28. Jul. 2015 von Gast

Smart Meter-MontagePläne der Europäischen Union sehen einen verbindlichen Einbau sogenannter Smart Meter vor. Diese unterscheiden sich von herkömmlichen Stromzählern dadurch, dass sie auf einem Display den aktuellen Stromverbrauch graphisch darstellen. Darüber hinaus verfügen die neuen Geräte über eine Sendefunktion, die Verbrauchsdaten in regelmäßigen Zeitabständen an den jeweiligen Energieversorger übermittelt.

Zusätzliche Kosten – kaum Nutzen?

Der Einsatz dieser neuen Zähler soll sowohl für Stromanbieter als auch Verbraucher von Vorteil sein, so der offizielle Tenor. Letztere können sich dank der Smart Meter einen Überblick darüber verschaffen, welche ihrer Geräte besonders viel Energie verbrauchen. Die Energieversorger wären aufgrund der ihnen übermittelten Informationen in der Lage, sich auf Spitzenzeiten einzustellen und könnten so eine Überlastung der Stromnetze vermeiden.

Wirklich profitieren würden Verbraucher allerdings erst dann, wenn sie spürbare finanzielle Anreize dafür erhielten, ihre strombetriebenen Geräte außerhalb der Lastspitzen zu betreiben. Zurzeit zahlen sie in der Regel denselben Kilowattpreis, egal zu welcher Zeit sie Waschmaschine oder Staubsauger in Betrieb nehmen. Zwar bieten einige Stromanbieter bereits Tarife an, die nach Netzauslastung gestaffelt sind und diese Tendenz soll in den nächsten Jahren mehr und mehr verpflichtend werden. Allerdings ist es oft unrealistisch beispielsweise nachts die Wachmaschine oder den Trockner anzuschalten und eine Abmahnung für Ruhestörung zu riskieren. Und die meisten Stromkosten entstehen ohnehin zu Zeiten der Hauptmahlzeiten.

Bislang würde der Einbau der Smart Meter für Stromkunden also vor allem zusätzliche Kosten bedeuten. Zwar sollen die Beträge pro Jahr nicht mehr als 100 Euro betragen, aber wer kaum einen Nutzen davon hat, wird sich mit Recht fragen, warum er diese Summe bezahlen soll. Hinzu kommt, dass ein Großteil der Energieverbraucher wahrscheinlich kaum Zugang zu den Informationen über ihren eigenen Energieverbrauch hat. Gerade in Mietshäusern befinden sich die Zählern in Bereichen, die für deren Bewohner, wenn überhaupt, nur schwer zugänglich sind.

Weiterer Schritt zum gläsernen Bürger

Datenschützer sehen in der Übermittlung von Verbrauchsdaten einen weiteren Schritt hin zum gläsernen Bürger. Wer immer die Informationen erhält, könnte sich ein genaues Bild davon machen, ob sich jemand in den entsprechenden vier Wänden aufhält. Die Daten geben auch Aufschluss über Tagesablauf und Gewohnheiten der Bewohner. Die Sorge scheint nicht unbegründet, wenn man sich die Empfehlung einer von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young erstellten Kosten-Nutzen-Analyse vor Augen hält, die das Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegeben hat. Die Verfasser dieser Studie sprechen sich ausdrücklich für eine kommerzielle Verwertung der Verbraucherdaten aus.

Skepsis äußerte auch der Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV), Klaus Müller. Der Einbau von Smart Metern birgt seiner Ansicht nach kaum Nutzen für den Verbraucher. Stromkunden, die die neuen Messgeräte in ihr Haus bauen müssten, hätten davon in der Regel keinen finanziellen Vorteil. Andernfalls sähe sich die Regierung nicht gezwungen, den Einbau verbindlich vorzuschreiben. Laut der von Ernst & Young zusammengestellten Studie würde die auf den Gebrauch von Smart Metern zurückzuführende jährliche Ersparnis für einen Haushalt, dessen Stromverbrauch bei 6000 Kilowattstunden liegt, umgerechnet keine vierzig Euro betragen. Diesen Verbrauchswert erreichen in der Regel jedoch nur mehrköpfige Familien. Durchschnittshaushalte würden nicht einmal diesen Betrag einsparen.

Geht es nach dem Willen der EU, sollen, wirtschaftlicher Nutzen vorausgesetzt, bis zum Jahr 2022 achtzig Prozent aller Haushalte mit einem Smart Meter ausgestattet sein. Betroffen von der Pflicht zum Einbau intelligenter Messsysteme sind dann nicht nur Haushalte, deren Stromverbrauch 6000 Kilowattstunden pro Jahr übersteigt. Auch für Haus- und Wohnungsbesitzer, die eine Erneuerbare-Energie- oder KWK-Anlage betreiben, wird die EU-Vorschrift gelten.

Autor:
Michael SteinertDipl.-Volksw. Michael A. Steinert, seit 2013 Online Redakteur u.a. für das Hausbauportal www.haus-xxl.de und hier auch für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Mit langjähriger Erfahrung als Makler und anschließendem Studium der VWL mit Schwerpunkt Immobilienwirtschaft ist er den Themensegmenten Baufinanzierung, Bau- Wohn- und Mietrecht, wohnungswirtschaftlichen Prognosen und neuste Trends am Wohnungsmarkt breit aufgestellt


Bildnachweise:
SmartMeter-Montage, Quelle: pgegreenenergy /Flickr.com 2015, CC-BY-2.0
Michael Steinert, HausXXL 2015

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