Das Heizungspaket in der KfW-Förderung

21. Okt. 2016 von Olof E. Matthaei

Tücken im Detail bei der Förderung des Heizungsaustauschs

Öl-HeizkesselDer alte Kessel muss raus! Häufige Störungen, Totalausfall, der Schornsteinfeger quengelt – Es gibt viele gute Gründe den eigenen der vielen Millionen überalterter Heizkessel auszutauschen. Der Installateur empfiehlt, einen Brennwertkessel einzubauen. Die Kosten liegen schnell über 10.000 Euro. Da es sich um eine längerfristige Investition handelt, könnte man ja einen Bankkredit nehmen. Auf zehn Jahre abbezahlt, kommt die Monatsbelastung auf unter 100 Euro. Das ist nicht wenig, aber Heizung muss schließlich sein.

Der freundliche Bankberater erzählt dann, dass es einen KfW-Kredit oder -Zuschuss für die Heizungserneuerung gibt. Man müsse nur einen Energieberater dazu holen, sagt er. Ja, es stimmt, stellen Sie auch auf der Internetseite der KfW dann fest. 15 Prozent Zuschuss gibt es derzeit im Heizungspaket als Zuschuss. Und dann rufen Sie mich an und ich muss die ganze Leier wieder von vorne erklären. Deswegen habe ich hier einen Beitrag geschrieben, in dem ich Ihnen schon vorab erläutern möchte, was geht und was nicht und welche Bedingungen einzuhalten sind.

Zweck und Grenzen der staatlichen Förderung

„Das Förderprodukt dient der Förderung von Maßnahmen zur Energieeinsparung und zur Minderung des CO2-Ausstoßes bei bestehenden Wohngebäuden in Deutschland. Es trägt dazu bei, die energiepolitischen Ziele der Bundesregierung, insbesondere einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand bis zum Jahr 2050 zu erreichen. Die Förderung soll darüber hinaus die finanzielle Belastung durch die Investitions- und Heizkosten reduzieren und diese für den Nutzer langfristig kalkulierbarer machen.“ (Aus dem Merkblatt der KfW, Stand 10/2016)

Der Staat verschenkt kein Geld für die sowieso anstehende Erneuerung Ihrer Heizung, sondern gibt einen Zuschuss für die Verbesserung der Energieeffizienz einer Heizungsanlage.
Für die Förderung von Maßnahmen im Heizungspaket sind folgende Anforderungen zu erfüllen:
− Es wird ein Wärmeerzeuger auf Basis fossiler Energien (z. B. Gas oder Öl) außer Betrieb genommen, der nicht auf Brennwerttechnik basiert.
− Der außer Betrieb genommene Wärmeerzeuger unterliegt nicht der gesetzlichen Austauschpflicht nach § 10 EnEV.
(Aus den Technischen Mindestanforderungen der KfW, Stand: 4/2016)

Damit sind schon einmal alle Anlagen ausgeschlossen, die nach geltendem Recht sowieso ausgetauscht werden müssen. Die Energieeinsparverordnung (EnEV) schreibt vor, dass Kesselanlagen, die mehr als 30 Jahre alt sind, nicht weiter betrieben werden dürfen. Die KfW verdeutlicht, dass sie nur Verbesserung nicht Instandhaltung fördert.

Ablauf der geförderten Heizungserneuerung

Wenn Sie nun selbständig festgestellt haben, dass das, was Sie vorhaben, grundsätzlich nicht von der Förderung ausgeschlossen ist, dann kommt der Energieberater ins Spiel. Warum eigentlich? Kann nicht der Installateur selbst diese Aufgabe viel besser erledigen? Die KfW hat die Energieberater (und es zählen nur die für Bundesprogramme zugelassenen und als Energie-Effizienz-Experten gelisteten) in die Pflicht genommen, zu prüfen, ob die Förderkriterien tatsächlich erfüllt werden. In den meisten Fällen geht es um den Einbau einer Brennwertkesselanlage in der fossiles Erdgas verbrannt wird. Damit eine solche Anlage wirklich eine Effizienzsteigerung zeigen kann, muss sie dauerhaft im Brennwertbetrieb arbeiten.

Hierzu ein wenig zur Technik der Heizung:

Wenn Erdgas (Methan) verbrannt wird, dann geschieht dies bei einer Temperatur bis zu 1.900°C. Es ist also kein Problem Wasser zum Kochen zu bringen. Das kann auch ein Brennwertkessel. Bei der Verbrennung entsteht Abgas, das aus den unverbrannten Luftbestandteilen (v.a. Stickstoff) und den Reaktionsprodukten Kohlendioxid und Wasserdampf besteht. Es ist nach der Wärmeabgabe im Kessel immer noch ziemlich heiß. In der Temperatur und noch mehr im Wasserdampf ist weitere Energie vorhanden. Im Brennwertkessel wird daher der Abgasstrom in einem Wärmeübertrager gegen den Heizungswasser-Rücklauf geführt. Dabei kühlt sich das Abgas weiter ab und das Heizungswasser wird schon einmal vorgewärmt, bevor es im Kessel auf die gewünschte Temperatur gebracht wird.

Je mehr Wasserdampf dabei auskondensiert, desto mehr von der Verbrennungsenergie wird dem Heizwasser zugeführt. Entscheidend ist daher die Temperatur des Rücklaufwassers. Je kühler dies ist, desto höher die Ausbeute an Kondesationswärme. Als Faustregel ist eine maximale Rücklauftemperatur von unter 40°C am Auslegungspunkt der Heizung einzuhalten.

Wenn die Heizung bei Auslegungstemperatur (In Normen festgelegte Außentemperatur, in weiten Teilen Deutschlands sind dies -12°C, bei der die Heizung noch dauerhaft die Nutzungsbedingungen im Raum, gewöhnlich 20°C, liefern muss) mit Vorlauf/Rücklauf = 70/55°C arbeitet, dann erfüllt sie die Anforderung an einen dauerhaften Brennwertbetrieb nicht. Dies ist kein Fehler des Kessels, sondern durch das Zusammenspiel von Heizflächen und Gebäude gegeben.

Das Gebäude verliert durch Bauteile und durch Lüftung Wärme, wenn es drinnen wärmer ist als draußen. Diese Wärme muss permanent nachgeschoben werden. So ergibt sich eine von der Innen- und Außentemperatur abhängige Heizlast. Die Heizlast muss durch die Heizkörper gedeckt werden. Deren Leistung (HKL) ist vereinfacht gesagt proportional der mittleren Temperaturdifferenz zwischen Heizkörper und Raum (ΔTm) und der Heizkörper-Fläche (A).
Die mittlere Übertemperatur ist ΔTm = (TVL+TRL)/2 – TRaum
Die Heizkörperleistung berechnet sich dann zu:

HKL = k · A · ΔTm

Prüfung durch den Sachverständigen

Der Energieberater muss nun zunächst erkunden, ob die vorhandene Heizungsanlage (vor Allem die Heizkörper oder sonstigen Heizsysteme) überhaupt mit einer Vorlauf-/Rücklauf-Temperatur betrieben werden kann, die einen dauerhaften Brennwertbetrieb ermöglicht. Dafür müssen die Raumheizlasten berechnet werden, die Größen und Typen der Heizkörper und Anschlüsse aufgenommen und berechnet werden, ob es eine technisch funktionierende Vorlauftemperatur gibt, bei der an allen Heizkörpern eines Kreises die Heizlasten gedeckt werden können.

Die dabei entstehende Rücklauftemperatur wird berechnet. Und dann kommt die Kontrolle, ob diese einen Brennwertbetrieb dauerhaft ermöglicht. Wenn dies verneint werden muss, was häufig genug vorkommt, dann kann weiter erforscht werden, ob es Maßnahmen gibt, um die Rücklauftemperatur weiter abzusenken.

Maßnahmen zur Sicherung des dauerhaften Brennwertbetriebs

Dafür stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Bei Vorhandensein von Heizkreisen auf verschiedenen Temperaturniveaus kann über einen Speicher nicht nur eine hydraulische sondern auch eine Temperatur-Weiche realisiert werden. Der höher temperierte Heizkreis erhält sein Wasser oben aus dem Speicher und speist in der Mitte zurück. Der niedriger temperierte Heizkreis entnimmt in der Mitte und speist unten zurück. Mit dieser Kaskadierung kann eventuell die Temperaturspreizung zwischen Vor- und Rücklauf erhöht werden und die Rücklauftemperatur auf ein Niveau abgesenkt werden, das den dauerhaften Brennwertbetrieb sichert.

Manchmal reicht es auch, einen oder mehrere Heizkörper auszutauschen. Über die oben eingeführte Formel ist klar, dass die Heizkörperleistung bei absinkender Temperatur nur über eine vergrößerte Fläche zu erhalten ist.

Diese Maßnahmen müssen geplant und mit dem Installateur besprochen werden. Der Heizungsbaumeister ist der Fachmann für die Anlagentechnik. Leider fehlt meist das Wissen um die Gebäudehülle und die energetische Bilanzierung. So kann im ersten Schritt des Verfahrens der Heizungsbauer die Heizlast nicht ausreichend genau ermitteln. Das aber ist Voraussetzung dafür, dass nachher der hydraulische Abgleich mit der richtigen Temperatur berechnet werden kann. Dieser Nachweis zeigt dann, ob das Ziel des dauerhaften Brennwertbetriebs erreicht wurde.

Auf dem Weg zum Fördergeld

Auf dem Weg zum Zuschuss von der KfW sind also eventuell einige Hürden zu nehmen. Es sind für Sie Kosten zu erwarten:

  • Der Energetische Sachverständige kostet ein Honorar
  • zusätzliche Maßnahmen sind eventuell erforderlich:
    • zusätzlicher Speicher
    • zusätzliche Regelungstechnik
    • Austausch von Heizkörpern
  • Montageaufwand und Kosten für den Installateur steigen

Dem gegenüber steht eine zukünftige, dauerhafte Einsparung von Endenergie in Form von Brennstoff für die Heizung. Die Realisierung eines dauerhaften Brennwertbetriebs wird für eine Gasheizung bis zu 10 % an Betriebskosten einsparen.

Sie haben beim Energieberater die Wahl, ob Sie sich lediglich vorab bescheinigen lassen wollen, dass die Maßnahme möglich ist und für den Verwendungsnachweis geprüft wird, ob der Installateur alles ordentlich und plausibel (!) dokumentiert und bescheinigt hat, oder ob Sie eine Energetische Umsetzungsbegleitung haben möchten, in der der Energieberater all diese Berechnungen und Dokumentationen durchführt.

Wenn Sie die umfassende Energetische Umsetzungsbegleitung beauftragen, dann steigt das Honorar für den Sachverständigen sicherlich. Andererseits unterstützt Sie die KfW dann mit einem Zuschuss von 50% zu den Honorarkosten für diese Baubegleitung. Sprechen sie vorab mit dem Installateur Ihres Vertrauens, ob er die oben beschriebenen Aufgaben übernehmen kann und zu welchem Preis. Danach reden Sie mit uns.

Vorab-Check der Förderfähigkeit

Hier finden Sie ein Hilfsmittel, um vorab zu überprüfen, ob Ihre Heizungserneuerung grundsätzlich förderfähig sein kann.

Bildnachweise:
Ölheizkessel, Foto: O.Matthaei 2014

Weitere Beiträge zum Thema Heizungserneuerung:
Erklärung zur Heizlastberechnung von Martin Schlobach auf haustechnikverstehen.de
Artikel vom 07.04.2016: Kombinationsverbot KfW/BAFA im Anreizprogramm Energieeffizienz – Heizungspaket
Angebot zum Heizungs-Check
Artikel vom 31.08.2013: Die Sachverständigenerklärung für KfW-Fördermittel

Do NOT follow this link or you will be banned from the site!
Menü