Bauherr als Bauleiter?

27. Feb. 2014 von Webmaster

„Stammtisch Energie“ am 5. März in der vhs Auer Schulstraße zu einem harten Thema

ees-screenshot-140227In drei Schritten zum Energiesparhaus, so lautet das Motto der Website des Ingenieurbüros Matthaei. Und das hat gute Gründe. Es geschieht nicht selten, dass Sanierungsbauherren den Energieberater aufsuchen, um Fördermittel abzugreifen. Sie nehmen die Energieeinsparberatung-Vor-Ort nicht deswegen in Anspruch, weil sie grundsätzlich wissen wollen, was mit ihrem Haus machbar ist, sondern weil es einen BAFA-Zuschuss gibt. Und so geht es dann weiter.

Diese Sorte Bauherren sucht danach, möglichst viele Fördermittel von der KfW oder dem Land oder woher auch immer zu akkumulieren und „optimiert“ danach seine Maßnahmenauswahl. Leider geht das oftmals am tatsächlichen, individuellen Optimum vorbei und eine ordentliche Planung findet überhaupt nicht statt.

Und selbst ohne dieses Aufblähen des Sanierungsumfangs haben manche Bauherren sehr hochgestochene Vorstellungen von dem, was sie realisieren wollen. Da muss ein neues Bad für 25.000 Euro her und eine Küche für 20.000 Euro – und das vorteilhafterweise in einem Budget von 50.000 Euro. Dem Energieberater obliegt es, die verbleibenden Mittel so einzusetzen, „dass sich das rechnet“. Also nur für die im Verborgenen investierten Mittel wird ein wirtschaftlicher Anspruch gesetzt. Dabei ist der Erfolg einer guten Dämmung und Wärmeschutzfenstern im ganzen Haus zu merken. Man fühlt sich einfach wohl. Bei ihren Planungen gehen die Bauherren dann jedoch oft nur von den reinen Baukosten aus. Wenn ihnen dann vermittelt werden muss, dass für die Planung je nach Umfang noch einmal fünf bis fünfzehn Prozent der Bausumme zusätzlich zu bezahlen sind, dann werden diese Kosten oft „gespart“.

Was macht der Bauplaner und Bauleiter denn schon? Ein paar Angebote einholen, kann doch jeder halbwegs intelligente Mensch auch selber, oder? Oftmals endet dies in einer glatten Katastrophe. Die Handwerker, jeder auf seinem Gebiet ein Spezialist, haben keine Kenntnis vom Gesamtumfang der Sanierung, keine Angaben darüber, wie sie mit den anderen Gewerken zusammenarbeiten müssen. Freuen kann sich der Monteur, weil kein Architekt auf der Baustelle ist, der ihn kontrolliert und an die Zügel nimmt. Was noch funktioniert, wenn „nur“ das Dach gedeckt wird oder „nur“ die Fenster getauscht werden, wächst sich schnell zum Problem aus, wenn es Schnittstellen zwischen Gewerken gibt.

Auch die Handwerker sind bei größeren Projekten im Allgemeinen eher froh, wenn jemand die Führung übernimmt. Der Architekt oder Ingenieur kann die Maßnahmen in ihrer Gesamtheit planen, ausschreiben, koordinieren und überwachen. Die Kosten dafür „rechnen“ sich dann, wenn dadurch Fehler vermieden und Schäden abgewendet werden. Nur: Die sieht man nicht, weil sie eben nicht passiert sind. (Zu diesem Thema auch der Beitrag vom 10.04.2011

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe der Wuppertaler Verbraucherzentrale und der Volkshochschule findet am 5. März um 19:00 Uhr im vhs-Gebäude Auer schulstraße 20 der „Stammtisch Energie“ statt. Diesmal wird die Wuppertaler Architektin Anja Schacht zu diesem Thema vortragen und mit den Teilnehmern diskutieren. Besprochen wird auch, worauf in der Zusammenarbeit mit Architekten zu achten ist und was andererseits Bauherren beherzen sollten, die als „ihr eigener Bauleiter“ ohne Architekt sanieren wollen.

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