Die Verzahnung der Energie-Sektoren

15. Apr. 2016 von Olof E. Matthaei

#EEG2016 #Fragwürdig

Wie werden die Energie-Sektoren Strom, Wärme und Mobilität gekoppelt?

Sektoren übergreifende Energiewende

Kernfrage: Wie können sich zukünftig die Energie-Sektoren miteinander verbinden?
Gewünscht: Diskussion
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Dies ist eine der Kernfragen, die die Energieblogger der Politik aber auch der interessierten Öffentlichkeit im Rahmen der Beratungen zum EEG stellen.

Wir möchten Sie einladen, diese Frage aufzugreifen und uns Kommentare zu senden. Geben Sie die Frage auch gerne an andere Menschen weiter. Stellen Sie die Frage nach der Sektoren übergreifenden Energiewende auch gerne Ihrem Bundestagsabgeordneten. Wir freuen uns über eine rege Diskussion. Um den Einstieg zu erleichtern möchten wir hier ein paar Hintergrundinformationen geben.

Energie-Sektoren

Endenergieverbrauch nach Energie-Sektoren 2015Der Energieverbrauch in Deutschland teilt sich auf Gebäude, Verkehr und Gewerbe in fast gleichen Anteilen. Eine andere Aufteilung geschieht über die Art der Energieformen.

Die Grafik links zeigt die Verteilung aus 2015. Die Verhältnisse der Energiesektoren sind seit Jahren ziemlich gleichbleibend.
Dies sind

  1. Wärme
  2. Kraftstoffe für Mobilität und Transporte und
  3. Strom

In Paris wurde im Herbst 2015 auf der letzten Klimaschutzkonferenz festgestellt, dass der einzige Weg zur Begrenzung der Klimaerwärmung die Dekarbonisierung ist. Also die Minimierung der Verbrennung Kohlenstoff-haltiger, fossiler Brennstoffe. Manche Länder haben daraus abgeleitet, dass Kernenergie ausgebaut werden müsse. In Deutschland ist aus anderen Gründen Atomenergie ein Auslaufmodell.

Es wird momentan sehr viel über den Strom-Sektor diskutiert. Manchmal hat man den Eindruck, dass die Energiewende im Wärmebereich darüber vergessen wird. Und bei Kfz wird vielfach bestritten, dass es überhaupt möglich sei, von der Verwendung fossiler Kraftstoffe weg zu kommen.

Wenn die Klimaschutzziele erreicht werden sollen, müssen in allen Energiesektoren Veränderungen geschehen. Selbst wenn der Stromsektor zu hundert Prozent auf Erneuerbare umgestellt würde und der Wärmebedarf durch Dämmung und andere Effizienzmaßnahmen halbiert würde, gäbe es weiterhin 55% der heutigen Emissionen. Nur den Stromsektor zu betrachten greift also eindeutig zu kurz. So sind Klimaschutzziele nicht erreichbar. Die Ansprüche, die die Bundesregierung öffentlich äußert und die Gesetze, die das Parlament zur Umsetzung erlässt, die Verordnungen und Ministerialerlasse, wie auch die Lenkung durch Fördermittel zielen nicht in Richtung hundert Prozent erneuerbare Energie und bleiben sogar hinter den hier vorgerechneten 55% weit zurück.

Klimaschutz durch Erneuerbare Energie

Wärme ist die niederwertigste Form von Energie. Sie ist sozusagen das letzte Zerfallsprodukt in der Kaskade der Energienutzung von höchstwertigen Energieträgern. Dabei können als Primärenergie sowohl fossile oder atomare Energieträger, wie auch erneuerbare Energieträger dienen. Soll nur Wärme gemacht werden, dann reicht die Solarstrahlung auf Fenster und thermische Solarkollektoren. Nur steht Wärme überwiegend zu anderen Zeiten zur Verfügung, als sie gebraucht wird. Daher kann bislang kaum auf die Verbrennung von Kohlenstoff-haltigen Energieträgern verzichtet werden. Dies sind Kohle, Öl, Gas, Holz.

Erneuerbare Energie lässt sich nur bedingt integrieren. Zu gering sind hier die Energiespeicherkapazitäten im Verhältnis zu den benötigten Mengen, um eine Verschiebung aus dem Sommer in den Winter zu bewerkstelligen. Nachwachsende Rohstoffe, wie Holz, Getreide oder Rapsöl sind nicht in ausreichenden Mengen darstellbar. Sie entspringen auch einer Flächenkonkurrenz mit der Nahrungsmittelproduktion.

Erzeugung und Speicherung

Als sinnvollster Weg erscheint derzeit die Stromproduktion aus Sonne und Wind und die Verwertung dieser höchstwertigen Primärenergie in allen Energie-Sektoren. Denkbar ist die Speicherung in Batterien und die Umwandlung in Wasserstoff und Methan zur Speicherung und Transport im vorhandenen Erdgasnetz. Die Umwandlung zu Wärme kann in Wärmepumpen am Ort des Wärmebedarfs erfolgen. Dabei kann etwa die dreifache Menge an Wärme aus dem Strom erzeugt werden. Wasserstoff kann zurück verstromt werden. Methan kann ganz klassisch in Gasheizungen oder BHKW verbrannt werden.

Wir freuen uns auf Ihre Gedanken zum Thema Energie-Sektoren übergreifende Energiewende.

Kommentare

Olof Matthaei, 2016-04-06:
Weitere Fragen in der Kampagne zur Novellierung des EEG finden Sie bei den Energiebloggern.


Peter Hintze, 2016-04-08:
Sehr geehrter Herr Matthaei,

vielen Dank für Ihr Mail.

Da der endgültige Entwurf der EEG-Novelle noch nicht vorliegt, bitte ich um Verständnis, dass ich Ihre Fragen nur wie folgt beantworten kann.

Die mit der Novelle geplanten Regelungen dienen dem Ziel, die Kostendynamik im Bereich der erneuerbaren Energien zu durchbrechen, die erneuerbaren Energien planbar und verlässlich ausbauen und sie auf den Markt vorzubereiten. Damit wird zweierlei gewährleistet: Zum einen der weitere Ausbau der erneuerbaren Energien im Interesse des Klimaschutzes. Und zweitens ein höheres Maß an Effizienz, was im Interesse der Verbraucher, insbesondere der Bezieher niedriger Einkommen, und unserer im internationalen Wettbewerb stehenden Unternehmen liegt. Bereits im Rahmen der letzten Novelle aus dem Jahre 2014 wurde festgelegt, dass ab 2017 die Fördersätze für Erneuerbare-Energien-Anlagen in einem wettbewerblichen Ausschreibungsverfahren zwischen den Anlagenbetreibern ermittelt werden. Hieran anknüpfend soll nunmehr ein neuer Weg hin zu wettbewerblichen Ausschreibungen der Förderung beschritten werden. Wie die erste Pilotausschreibung für Photovoltaik-Freiflächenanlagen im vergangenen Jahr gezeigt hat, ist das neue Ausschreibungsmodell erfolgreich und funktioniert.

Im Rahmen der Förderausschreibung sollen die nach dem EEG 2014 festgelegten Ausbaukorridore für erneuerbare Energien eingehalten und zugleich der künftige Ausbau durch die Ausschreibungen gesteuert werden. Die Ausschreibungen sollen den Wettbewerb zwischen Anlagenbetreibern fördern und bewirken, dass erneuerbarer Strom nur in der Höhe vergütet wird, die für einen wirtschaftlichen Betrieb der Anlagen erforderlich ist. Auch soll die Akteursvielfalt von großen Firmen bis zu kleinen Genossenschaften erhalten bleiben.

Diese Ziele finden grundsätzlich meine Unterstützung. Ich bin überzeugt, dass wir auf der Grundlage der Novelle unsere energie- und klimapolitischen Ziele erreichen werden und auch künftig dazu beitragen, dass auch in der Bergischen Region die Investition in erneuerbare Energieerzeugung attraktiv bleibt.

Mit freundlichen Grüßen
Peter Hintze


Olof Matthaei, 2016-04-12:
Peter Hintze (CDU) ist Mitglied des Bundestags als Delegierter des Wahlkreises Wuppertal I und Bundestagsvizepäsident.
Ich hatte ihn über Abgeordnetenwatch.de gefragt, wie die Sektoren verzahnt werden sollten.

Seine Antwort ist ein Standardtext, mit dem Herr Hintze auch schon auf eine andere Frage zum Thema EEG-Novelle geantwortet hat. Es verdeutlicht noch einmal mehr die geringe Auseinandersetzung mit dem Thema, die bei den Mitgliedern des Bundestags gegeben ist. Das Ziel der Bundesregierung über den 250 Seiten langen Entwurf jede echte Auseinandersetzung mit der Thematik zu unterbinden, scheint aufzugehen.


Manfred Zöllmer, 2016-04-15:

Sehr geehrter Herr Matthaei,

vielen Dank für Ihre Fragen zum EEG.

Der Ausbau der Erneuerbaren Energien war in den vergangenen Jahren eine Erfolgsgeschichte. Wenn heute über 30 Prozent des Stromverbrauchs von erneuerbaren Energien gedeckt werden, sind die Erneuerbaren längst den Kinderschuhen entwachsen und es ist meiner Meinung nach angemessen, das Förderregime auf die Etablierung im Markt auszurichten. Mit der Energiewende ist aber wesentlich mehr als nur der Ausbau der Erneuerbaren Energien verbunden. Der Strommarkt und das Stromnetz müssen ebenfalls entsprechend ertüchtigt werden. Das heißt, der Netzausbau, alle verfügbaren Flexibilitäten, die schrittweise Degression des Anteils der fossilen Energien und der weitere Ausbau der Erneuerbaren müssen in Einklang gebracht werden. Und das haben wir bislang nur zum Teil erreicht.

weiterlesen bei abgeordnetenwatch.de


Olof Matthaei, 2016-04-15:
Peter Zöllmer (SPD) ist Mitglied des Bundestags als Delegierter des Wahlkreises Wuppertal I (über Wahlkreis eingezogen).

Auch seine Antwort ist eine Standardantwort, die sich überhaupt nicht mit der gestellten Frage auseinander setzt. Meine Frage lautete, wie auch bei dem vorhergehenden Abgeordneten: Wie werden die Energie-Sektoren Strom, Wärme und Mobilität gekoppelt? Welches Vertrauen kann man in Abgeordnete, egal welcher Partei setzen, die nicht einmal eine einfache Frage lesen und verstehen wollen. Wie kann man glauben, dass so jemand es schafft einen Entwurf von über 250 Seiten zu lesen und sich gedanklich damit zu befassen?


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